Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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phag, den die Tafel IV rechts von der Südwand auf seinem ursprüng-
lichen Standplatze zeigt, wurde in Bewegung gesetzt, der spitz-
bogige Deckel und der Sargkasten in das Heroon hinauf und dann
auf der neuen Strasse, wie alle anderen Stücke, zunächst auf den
Lagerplatz gezogen.

Der Transport selbst Hess sich bei der Länge des Weges, dem
nothwendigen Wechsel der Vehikel und der Unmöglichkeit, das
erforderliche Quantum Wasser weit nachzuführen und überall für
hinreichende Aufsicht zu sorgen, nur etappenweise durchführen.
Für denselben mussten zunächst die in Triest aus massivem Eichen-
holz höchst solid hergestellten Schlitten, welche zu schwer befunden
wurden, umgebaut, beziehungsweise durch neue leichtere ersetzt
werden. Dann galt es Zugthiere zu beschaffen, die in der Nähe
überhaupt nicht zu erhalten und nirgends zu miethen waren. Büffel,
die nur in den Sumpfgegenden von Phineka und in einigen Distric-
ten des Hochlandes vorkommen, wären auf dem wasserlosen Pla-
teau und in dem ausgetrockneten Dembrethale nicht verwendbar
gewesen. Erhältlich waren nur Ochsen, eine kleine schwache Race,
die bei schlechtem Futter an keine Arbeit gewöhnt sind und in
sehr gebrechlichen völlig eisenlosen Jochen nie anders als paar-
weise eingespannt werden, was die Breitendimensionen des erbauten
Weges nicht überall zugelassen haben würden. Auf eigenen Reisen,
zum Theile weither, aus Gjömbe bei Elmalü und von einem Juruken-
häuptling in der Ebene östlich von Dembre wurden also nach und
nach 21 Stück zusammengekauft, die auf neu hergestellte geeignetere
Joche und isolirtes Ziehen erst einzuüben waren, zudem eine um-
ständliche Fütterung erforderten und trotz aller Pflege so rasch
marodirten, dass mehr als ein Stück geschlachtet werden musste.

Der nachgerade gefährlichen Grluth halber war die Tageszeit nur
für kleinere Strecken zu benützen, der Haupttransport erfolgte des
Nachts. Nachdem am Abend alle Schlitten, mit je einer grösseren
oder mehreren kleinen Kisten beladen, sammt den Jochen, Ketten
und Stricken bereit gestellt waren, wurde kurz nach Mitternacht
das Lager allarmirt. Von ihren Schlafplätzen zwischen den Sar-
kophagen und unter den nächsten Bäumen kamen in zerstreuten
Gruppen die Arbeiter, aufgescheucht aus ihrer Ruhe die Zugthiere
herbei. Auf dem kleinen Felde hinter dem Magazin, wo unter den
noch in Arbeit befindlichen Kisten und Reliefblöcken die fertigen
Ladungen standen, drängte trieb und schoss nun im Dunkeln Alles
durcheinander, ein durch tolles Sprachengewirr und das Greheul zu-
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