Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Äladjadagh scheidet, tritt er in eine etwa fünfzehn Kilometer breite,
acht Kilometer tiefe Küstenebene ein, die in der Hauptsache von
ihm selbst geschaffen, seit dem Altherthum sich wie es scheint nicht
unbeträchtlich gegen das Meer vorgeschoben hat und in bestän-
diger Erhöhung begriffen ist. Südwestlich bei Capo Pyrgo schützt
sie gegen das fluthende Meer ein niedrig verlaufender Hügelzug,
welcher sicher einmal ähnlich wie Kekowa eine dem Dembreplateau
vorliegende Insel war, die durch angeschwemmtes Erdreich Ver-
bindung mit dem Lande erhielt. Weiterhin nach Osten säumen das
Küstenufer lange hochaufgewellte Sanddünen, welche die Scirocco-
stürme immer weiter anhäufen und immer tiefer landeinwärts führen.
Sonst ist Alles flache Haide und Blachfeld, dessen unermessliche
Fruchtbarkeit acht zerstreute kleine Dörfchen spärlich ausbeuten,
unter ihnen als das ansehnlichste der Griechenort Dembre in der
Mitte der Ebene, mit einem uralten kleinen Kloster des heiligen
Nikolaos und mit einigen vierzig Hütten und Häuschen, bewohnt von
Castellorizoten, die daselbst für ihr allmähliges Vordringen in das
Innere des Landes festen Fuss gefasst haben. Wie allerwärts ist
auch hier der Stand der Agricultur überraschend niedrig; bestellt
wird das Feld mit einer Pflugschar die ohne jedes Metall ist, geerntet
wird ohne Wagen, die überhaupt in den allermeisten Theilen Ly-
kiens völlig unbekannt sind. Ein Paar Feigengärten in Dembre,
einige aufgetheilte Getreidefelder und umzäunte Maispflanzungen
in der unmittelbarsten Nähe jedes Dorfes, das durch Baumgruppen
weithin erkennbar bleibt, ist Alles was auf Cultur hindeutet; dar-
über hinaus liegt der Boden öde und gleicht in dem Brande des
Sommers einer verlassenen Steppe, die hie und da ein weidendes
Kameel, eine emporragende Palme oder eine landeinwärtsziehende
armselige Karawane belebt. Ungenutzt wie die Schätze der Erde
lockt die breite Fläche des Meeres, die mit ihren herrlich wech-
selnden Farben in jeden Blick der Landschaft hereinspielt. An der
einzigen einigermassen geschützten Stelle der Küste, die jetzt trotz
ihrer Klippen als Scala benützt wird, in dem östlichen Winkel von
Cap Pyrgo , auf dessen Felshöhe ein antiker Wart - oder Leucht-
thurm steht, landet hin und wieder ein Bot aus Castellorizo, oder
eine Brigg liegt, viele Tage lang im offenen Wogengang schaukelnd,
an der Mündung des Dembretschai vor Anker, um die in dem Bette
desselben aus den Waldungen des Hochgebirges herabgeführten
Hölzer aufzunehmen und nach Alessandria zu bringen. Verdorben
und todt ruht der stattliche Hafen, der einst den Wohlstand der
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