Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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Gegend erschloss, und wohl noch auf lange Zeit hinaus unwieder-
bringlich verloren ist das reiche Leben einer glücklicheren Ver-
gangenheit deren staunenswerthe Denkmale sich vornehmlich an
zwei Plätzen erhalten haben.

Zunächst im Norden der Ebene, am Ausgange des Fluss-
thales, wo das herabgesenkte aber noch immer ansehnlich hohe
Dembreplateau mit schroffen nackten Steinwänden keilförmig wie
eine Felszunge in die Ebene ragt. Hier auf der Anhöhe ober-
halb des heutigen Dörfchens Köitschi dominiren die Mauern einer
alten Burg, unter ihr, in eine Schlucht des Berges eingebettet die
in weiten Bogen aufgereihte und von gewaltigen Quadergewölben
getragene Cavea eines römischen Theaters, und zu beiden Seiten
desselben die berühmten oft abgebildeten lykischen Felsgräber,
welche dicht neben und übereinander bis in unzugängliche Höhen
hinauf, wo zahlreiche Raubvögel horsten, die Bergwände ausgehöhlt
haben. Dies sind die Ueberreste der Stadt Myra, die sich ehedem
vom Berge aus nach Süden ausbreitete, weit in die Ebene hinein,
unter deren hoch aufgehöhtem Erdreich bis auf einige zerrissene
stumpf hervorragende Quadermauern ihre Trümmer begraben liegen.

Weniger imposant, aber weit ausgedehnter, auf eine Flucht
von zwei Kilometer Länge vertheilt sind die Ruinen ihrer einstigen
Hafenstadt Andriake, welche im Westen der Ebene nördlich des
Ifügelzuges von Cap Pyrgo stehen, wo sie zu beiden Seiten des
Andrakiflusses, in dem der antike Name des Ortes noch fortlebt,
sich hinziehen. Eine halbe Stunde östlich von der Andrakibucht
entfernt bricht der Andrakifluss, wohl ein Emissär der unterirdischen
Gewässer die in den Hohlräumen des Dembreplateaus sich sammeln
mögen, wunderbar plötzlich mit starker schwefelhaltiger Fluth aus
der Tiefe hervor. Zwischen sumpfigen weithin mit Schilf und dichtem
Buschwerk bestandenen Ufern fliesst er mannigfach gewunden in
langsamer Strömung dem Meer zu, das ihm durch berghohe Dünen,
submarine Sandbänke und eine lange quer vorgelegte Nehrung das
Einmünden erschwert. Ein antiker Leuchtthurm steht auf der An-
höhe südlich über der Mündung und weiter östlich von demselben
auf dem Kamme der Hügelhöhe vereinzelte Trümmer anderer An-
lagen, während im Thale selbst die Reste des eigentlichen Empo-
riums massenhaft und wild umwachsen sich ausbreiten. Der gross-
artige Quaderbau eines von Hadrian errichteten Kornmagazins, die
Gewölbe eines antiken Bades und zahlreiche spätrömische Häu-
sertrümmer, Grabbauten und Sarkophage umgeben in zwei weit
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