Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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voneinander abstehenden parallelen Zügen das Flussbett, das wohl
ohne sonderlichen Aufwand sich rasch wieder in ein geschlossenes
Hafenbassin umwandeln Hesse. Nur im Falle der Noth legt jetzt
hier eine Barke an, die auch bei Fluth nur mit Mühe über die
Untiefen der Mündungstelle hinweggezogen werden kann. Die ganze
Stätte, von Schwefelgeruch und Fieberdünsten erfüllt, ist von allem
Verkehr selbst der Hirten gemieden, ungestört tummeln sich Schaaren
von Sumpf- und Wasservögeln auf der Oberfläche und in den Ufer-
schlupfwinkeln des trägen brakigen Stromes, in unendlicher Oede
ruhen und schweigen die Ruinen, die wohl das Auge mit ihren male-
rischen Reizen beschäftigen aber als Zeugen einer Vergangenheit
ohne Geschichte sich an keine Phantasie wenden.

Wie der Commandant des „Taurus" noch vor einer genaueren
Inspection des ganzen Küstenstriches, durch die er uns beistand,
es als das Räthlichste bezeichnet hatte, galt es hieher an diesen
Ort, auf die lange quer vorgelegte Sandbank der Andrakimündung
unsere Ausbeute zu schaffen, da ein grösseres Schiff allein in der
Andrakibucht leidlichen Ankergrund und annähernd Schutz gegen
Wind und Wetter finden kann; auch wäre an die Skala von Dembre
bei Cap Pyrgo über die Sandfelder und Hügel der Ufergegend hin-
weg eine anderthalb Kilometer lange Holzbahn aufzuschlagen ge-
wesen, während hier der Andrakifluss den Transport abkürzte. Von
der ersten Etappe bei der Mühle des Dembrethales an war diese
Raumstrecke für die Zugkraft der verfügbaren Thiere ungetheilt zu
gross auf eine Tagfahrt. Es kostete Anstrengung genug, die ganze
Masse zunächst nur bis zu dem grossen Felsengrabe von Myra,
das unter der Akropolis in der Wand nach dem Fluss zu ange-
bracht ist, oberhalb Köitschi zu schaffen. Ein baufälliger Karren,
mit dem man offenbar einmal vergeblich den kühnen Versuch ge-
wagt hatte, eine Reform des landwirtschaftlichen Verkehrs einzu-
führen, tagereisenweit der einzige den man auftreiben konnte, war
zu hohem Preise gefälligkeitshalber dem Douanier von Dembre ab-
gekauft worden, der sich dafür wie für andere Verbindlichkeiten
späterhin durch ein grundloses Verbot des Transportes erkenntlich
erwies. Auch ein neugebauter Wagen, den wir aus Smyrna erhalten
hatten, war nur halbbrauchbar und in beständiger Reparatur, da seine
Holztheile in der Hitze so rasch zusammenschwanden, dass nach kur-
zem Gebrauch die Speichen und Reifen an ihm schlotterten. Wären
nicht Dank der Fürsorge Professor Zumbuschs zwei feste Lastwagen
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