Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

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aus Wien, die sofort in vier zweirädrige Karren umgebaut wurden,
in letzter Stunde noch rechtzeitig eingetroffen, so wäre ohne Zweifel
die für das Einschiffen günstige Jahreszeit ungenutzt verstrichen.
Auch so war ein Aufgebot aller Kräfte bis zur Erschöpfung noth-
wendig, um auf der doch vielfach ungleichen, stellenweise sogar
stark bewegten Schottersohle des Dembrethales, die in den völlig
windstillen Nächten unerträgliche Schwüle ausströmte, gehörig vor-
wärts zu kommen. Wie eine Belohnung wurde die letzte leichteste
Wegstrecke empfunden, von Myra bis an den Anfang des Andraki-
Husses, die auf durchaus glattem, von der Sonne hart gebranntem
Weideboden rasch zu überwinden war. Auf diesem Stapelplatze,
den zwei von uns besoldete bewaffnete Diener des Douaniers be-
wachten, um eine vorzeitige Einschiffung zu verhüten, lagen am
8. September alle Kisten wohlbehalten beisammen.

Unterdessen war auf Gjölbaschi mit aller Concentration an dem
Transport der überschweren Sarkophag- und Thorsteine gearbeitet
avorden. Ein von dem Schmiede hiefür construirter vierrädriger
Wagen hatte nur kurze Dienste geleistet. Die Colosse hatten auf
scliAvere Schlitten gestellt Averden müssen, und Avurden einer nach
dem andern auf einer Bahn von Holzschwellen an Seilen, die über
Flaschenzügen nach arorn und rückwärts liefen, langsam halb herab-
gelassen, halb herabgezogen. Nach dem Tempo dieser Arbeit, bei
dem die grösste Vorsicht zu beobachten war, und daher täglich
nur zwischen drei und vier Hundert Meter Wegstrecke zurückge-
legt werden konnten, war in der arorgerückten Jahreszeit leider
keine Aussicht mehr auf ein rechtzeitiges Gelingen. Die Arbeiter
aararen am Ende ihrer Kraft und unsere Mittel für die Durchführung
nicht mehr ausreichend. Obwohl es auf der Hand lag, dass ein
vorläufiges Aufgeben dieser Stücke späterhin erhöhten Aufwand er-
heischen aarürde, so musste doch Angesichts dieser Sachlage ein Ab-
bruch erfolgen, und wie ungern immer liess sich Herr von Knaffl
bestimmen, jenseits der kleinen Tschukurebene am Rande des Dembre-
thales ein Depot für die gebrauchten Hölzer und Schlitten zu er-
richten und die Steine in die Nähe desselben zu bringen, von wo sie
denn auch späterhin sich leichter wegschaffen lassen werden.

Diese fünf grössten Stücke und unsere sämmtlichen sonstigen
Funde, einschliesslich der Münzen, wurden von dem Commissär bei
der Theilung als türkischer Besitz in Anspruch genommen, während
er auf Grund eines Telegramms aus Constantinopel die bereits
an den Andrakifluss gebrachten Stücke in einem schriftlich auf-
gesetzten Acte uns zutheilen konnte.
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