Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 6.1882

Seite: 251
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Nachdem wir sämmtlich wieder in Dembre vereinigt und die
langwierigen Verhandlungen des Theilungsactes beendet waren, ging
Alles rasch und über mancherlei Stockung hinweg gut dem Ende
zu. Drei aus Castellorizo requirirte Barken führten unseren Besitz
in fünf Tagen an den antiken Monumenten des Andrakiflusses vor-
über auf die Sandbarre, die seine Mündung sperrt. Hier hatten die
wackeren Matrosen des „Taurus" auf Befehl ihres Commandanten
unglaublich geschwind den Versuch ausgeführt, einen tiefen Graben
aus dem Fluss in das Meer zu ziehen; aber der Wogengang ver-
schüttete ihn dermassen, dass er nur mit übermässigen Anstren-
gungen offen und schiffbar zu erhalten gewesen wäre. Dafür hatte
der geschickte Schiffszimmermann mit unseren Zimmerleuten vom
jenseitigen westlichen Ufer der Sandbarre aus eine fünfunddreissig
Meter lange leichte Flugbrücke, die auf eingerammten und mit
Steinen beschwerten Holzböcken aufgeschlagen, unseren Bedürfnissen
genügen konnte und im Falle hohen Seegangs sich rasch hinweg-
tragen liess, in das seichte Meer hinein erbaut, so dass Barken an
ihrem Ende anzulegen im Stande waren. Auf Breterbahnen, die
über den nachgiebigen Sandboden der Barre gelegt wurden, führten
nun die jherbeigeführten Wagen eine Kiste nach der andern zum
Meeresstrande an die Holzbrücke, auf der sie über Walzen bis an
die Ladestelle an ihrem Ende gerollt wurden. Da Barken in ge-
nügender Anzahl mit verlässlichen Leuten kaum aufzutreiben waren
und das Lloydschiff uns nur auf höchstens zwei Tage, die durch
hohe See verkürzt werden konnten, zu Gebote stehen durfte, so
hatte ich auf den Rath des Commandanten eiligst in Rhodus einen
Schooner aufgetrieben, der als Depotschiff sofort zur Stelle kam
und trotz der Ränke seines Besitzers, eines Hellenen, der durch
Contractbruch unsere Lage auszubeuten versuchte, schliesslich doch
noch alle Kisten aufnahm. Am 15. September schon lag er, in
allen Theilen des Schiffsraumes und auf Deck voll ausgestellt, zur
Ueberladung bereit in den stillen Wassern der Jalibai vor Anker.

Von dem 16. an wartete auf der Höhe von Cap Pyrgo bei dem
antiken Leuchtthurm ein Wächter, und an der benachbarten Scala
von Dembre in der Tiefe ein Lootse in einem beflaggten Bote auf
das Eintreffen des Lloyddampfers, dessen Capitän von diesen Vorkeh-
rungen unterrichtet worden war. Während ich durch dankbare Rück-
sicht auf den Stab des „Taurus", dessen Assistenz in der trostlos
öden Jalibai wir leider weit länger als erwartet, hatten in Anspruch
nehmen müssen, mich bestimmen liess, schon am 13. mit ihm nach
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