Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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besserten Abschrift Arneths, deren geringe Zuverlässigkeit er selbst
erkannte (havd pauca videntur parum rede vel lecta vel descripta
esse), hat nun Sauppe, ohne das Denkmal selbst gesehen zu haben,
in dem Weimarer Gymnasial-Programm von Ostern 1847 (Inscrip-
tiones macedonicae quatuor n. 2 S. 15. 16) zum erstenmal die Her-
stellung der mehrfach verstümmelten und unvollständigen Inschrift
unternommen. Seine Leistung ist und bleibt grundlegend; doch
darf man, um über dieselbe richtig zu urtheilen, nicht vergessen,
dass Sauppe die Urkunde herausgab, ohne dass er eine persön-
liche Kenntniss derselben besass. Die erste Abschrift der Ur-
kunde, welche wenigstens einigermassen wissenschaftlichen An-
sprüchen genügt, ist von Lebas genommen {Voy. arch., Iiiscriptions,
troisieme partie, Section VII n. 1406 in den Tafeln); hier erhalten wir
zum erstenmal ein genügendes Facsimile der Inschrift nicht in conven-
tioneilen Typen, sondern mit den ihr eigentümlichen Buclistaben-
formen. Leider ist die Benützung bei Lebas erschwert, da bis
jetzt nur die Tafeln des betreffenden Theiles, nicht der Text
und Commentar erschienen sind; andrerseits darf nicht verhehlt
werden, dass auch die Abschrift bei Lebas den strengen Anforde-
rungen der Kritik nicht entspricht. Sie ist nachlässig gemacht,
sogar durch Auslassung von Wörtern entstellt und nimmt be-
sonders keine Rücksicht auf die für die Restitution wichtige Stel-
lung der Buchstaben neben und untereinander. Die neueste Ver-
öffentlichung endlich in Minuskeln bei E. L. Ilicks (A manual of
Greek historical inscrijitions, Oxford 1882 n. 74 S. 129. 130) stützt
sich einerseits auf Sauppe's Herstellung, andrerseits auf das Facsi-
mile bei Lebas und sucht in einigen Fällen die Abweichungen
Beider zu vereinen. Da es sich hier um ein für die Kenntniss des
Alterthums wichtiges Document handelt und angesichts der Sach-
lage, dass die erste Veröffentlichung durch Arneth — was die da-
malige Zeit entschuldigen mag — eine ganz ungenügende ist, dass
die einzige Herstellung derselben durch Sauppc, eine bei dem
schlechten Material doppelt bedeutende Leistung, auf dieser Abschrift

Freiherrn von Sacken und Friedrich Kenner. Wien 1866) S. 96 — 98. — Arneth's
Beschreibung wurde noch mehrfach aufgelegt; in der fünften Auflago (185;i) ist
auf S. 55. 56 die Inschrift in conventioncllen Typen, daneben ein Facsimile,
welches aber viel zu klein ist, um nützen zu können. Doch sind einige Fehler
mit Berücksichtigung Wieseler's eorrigiert.
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