Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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nicht den Sohn des Archelaos, sondern den von Thucydides er-
wähnten (II 95, 3) Sohn des Philippos erkennen will; nurUnger2")
scheint, wenn auch nicht ausgesprochen, an Diodor's Ansätzen fest-
halten zu wollen21).

Ich muss nun bekennen, dass ich nach wiederholter Erwägung,
wie selbe sich bei einem Gelehrten von so anerkannter Autorität
geziemt, wie von Gutschmid es ist, zu der Ansicht gekommen bin,
es sei für die Forschung am Richtigsten, von dessen Aufstellungen,
so bestechend sie nach mancher Richtung sein mögen, zu der An-
schauung Otto Abel's zurückzukehren, dass für die makedonische
Geschichte von 400 bis 370 Diodor unbedingt den Vorzug vor den
Chronographen verdiene. Es ist nicht so sehr darauf Gewicht zu
legen, dass sowohl Gutschmid, wie auch Schäfer"2) bei ihren An-
sätzen genöthigt sind, Diodor eine starke Confusion und ein
ziemlich willkürliches Verfahren mit seiner Quelle zuzuschreiben,
da es ja bekannt ist, dass Diodor öfter mit grosser Leichtfertig-
keit arbeitete und sich schlimme Fehler zu Schulden kommen
liess. Mehr wiegt schon, denke ich, der innere Widerspruch, wel-
cher Gutschmid's Reconstruction anhaftet; obwohl er ausdrücklich
gegenüber Diodor sich auf Syncellus stützt, dessen Liste er als die
beste ansieht, so weicht er doch von diesem in seiner Scheidung
des Amyntas II. und III. ab, da Syncellus blos einen einzigen
Amyntas kennt, und folgt in diesem Punkte den von ihm selbst
als schlecht bezeichneten Listen. Man ist aber wohl berechtigt
sich ernstlich die Frage vorzulegen, wie es überhaupt mit der Zu-
verlässigkeit der in unserem Falle von den Chronographen über-
lieferten Zahlen bestellt ist, wenn man bedenkt, dass die älteste
Stufe derselben, welche die, wie jetzt von allen Forschern als
ziemlich sicher angenommen wird, auf Julius Africanus zurückge-
henden Excerpta Barbari vertreten23), von Gutschmid mit Recht der

") Phüologus 41, 78 f.

") Grote ist über den Werth der verschiedenen Quellangaben zu keinem
klaren Urtheil gekommen. Kr giebt Hist. of Greece (IX 5 263/4) Orestes 4, Aero-
pos 2, Psusaniaa 1 Jahr und lässt Amyntas 893- 309 regieren. Nach einem Jahr
wird dieser vertrieben und jetzt schon beginnt das Vorschreiten der Olynther. Er
scheint anzunehmen (S. 270), dass Amyntas bis 383 gar nicht zurückkehrte.

**) Demosthenes 2, 7 n. 1. v. Gutschmid S. 106.

") Diese von Unger (C'hrouol. des Manetlio S. 68. 71. 225) zuerst aufgestellte
Ansicht hat besonders Geizer (Julius At'ricanus 1, S. 44. 155. 160) vertheidigt, der
alle griechischen Königslisten der E. 15. auf At'ricanus zurückleitet (S. 137).
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