Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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jähr zusammengezogen. Für Volquardsen's Ansicht, dass XIV 92,
3. 4 ebenfalls eine annalistische Nachricht sei, ist ferner noch der
Synchronismus (s. unten) von Amyntas' Vertreibung mit dem Tode
des Königs Satyros (nur ungehörig durch die Capitelscheidung ge-
trennt), sowie die Stellung beider Bemerkungen am Ende des Jahres-
abschnittes hervorzuheben: die noch darauf folgenden römischen No-
tizen aus Ol. 96, 4 dürfen, wie wir sehen werden, nicht dagegen an-
geführt werden. Als diese annalistische Quelle hat nun Volquardsen
Apollodor angesehen (S. 12), was von Diels widerlegt wurde30) und
neuestens hat man das Chronikon des Castor als diese Quelle be-
zeichnet31). Es liegt mir nun ferne, hier wieder einen neuen Namen
zu nennen, doch halte ich es für gut, da die Beschaffenheit dieser
Quelle, soviel ich sehe, auch von den Neuesten nicht genügend er-
kannt ist — auch von Bornemann nicht — im Nachfolgenden einige
Beiträge zur näheren Erkenntniss derselben zu liefern; ich habe
mich darauf beschränkt, dies zu thun, soweit es für den unmittel-
baren Zweck, den ich verfolge, nöthig ist und nur die griechi-
schen Geschichten der Bücher 11 bis 16 in's Auge gefasst, für
welche bei Volquardsen das Material gut vorliegt. Die aller-
dings für das letzte Urtheil wesentliche Frage nach der römischen
Quelle Diodor's habe ich ausgeschlossen, da dieselbe über den
Rahmen meiner Arbeit weit hinausgeht. Volquardsen schon hat
für die Beschaffenheit dieser annalistischen Quelle auf einige be-
achtenswerthe Gesichtspunkte hingewiesen (S. 23 f.): er glaubt,
dass dieselbe aus einer Anzahl gesonderter Tabellen bestanden habe,
die nach Ländern abgetheilt waren und dass sie Regentenreihen ent-
hielt, welche die Namen und Regierungszeit der Fürsten ohne An-
gabe der Olympiadenjahre brachten. Das eigentlich Charakteristi-
sche der Vorlage Diodor's aber, welches Volquardsen nur flüchtig
berührte32), ist der Synchronismus und dieser beweist auch, dass,

30) Rhein. Mus. XXXI 31. 32.

31) Bornemann, De Casioria chronicis Diodori SicuH fönte ac norma tProgr.
des Lübecker Catharineum 1878). Ich kann auch durch diese Abhandlung die Frage
nach Diodors Vorlage nicht für erledigt ansehen und muss sie als zur Zeit noch
offen betrachten. Die folgenden Ausführungen, welche in manchen Punkten mit
Hornemann zusammentreffen, habe ich von ihm unabhängig gehalten, da sie noch
öfter von ihm differieren und wir einen ganz verschiedenen Ausgangspunkt für
unsere Erörterungen haben. Der Leser wird die Aehnlichkeiten und Verschieden-
heiten unserer beiderseitigen Darstellungen selbst erkennen.

") S. 19. Aber Diels hat es erkannt 1. 1. 32.
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