Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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waren 3S); dass das ausgebildete synchronistische System nicht von
Diodor herrührt, sondern dass er es einfach aus seiner Vorlage herüber-
nahm, bedarf wohl keines besonderen Beweises 39). Diese Tabelle ent-
hielt hauptsächlich Regentenlisten, literarische Persönlichkeiten (unter
diesen eine besondere Rubrik für die Geschichtschreiber, tujv be
(JufTpaqpeaiv...) und sonstige kurze annalistische Notizen, unter
welchen besonders die Gründungen und das Schicksal von Städten
einen hervorragenden Platz einnahmen, daneben Kriegszüge, Frie-
densschlüsse, Waffenstillstände oder auch nur einfach Curiositäten
(wie XIV 11 über Lasthenes). Was nun die zeitliche Anordnung
dieser Tabelle anlangt, so ist es bei der synchronistischen Anlage
derselben selbstverständlich, dass sie nach Jahren fortschritt, und
damit fällt die Vermuthung Volquardsen's 40), dass die Regentenreihen
blos Namen und Regierungszeit der Fürsten enthielten, ohne dass
die Olympiadenjahre daneben vermerkt waren. Die Regentenreihen
bildeten ja einen integrierenden Bestandtheil der ganzen Tabelle;
und wie war es möglich, dass, wie wir oben sahen, der Tod meh-
rerer Herrscher in einem Jahre oder der eines Herrschers zusammen
mit anderen Notizen politischer und besonders literarischer Natur —
für die Angabe vom Beginn oder Ende eines Werkes oder die
Blüthezeit eines Schriftstellers war doch die Angabe des Jahres
absolut nothwendig — berichtet wurde, wenn nicht die Jahresbe-
zeichnung daneben stand. Die Tabelle war also nach Olympiaden-
jahren und attischen Archonten geordnet41) und unter jedem Jahre
wurde alles politisch und literarisch Wichtige verzeichnet. Dafür
ist ferner eine andere Erscheinung anzuführen, welche einen wei-
teren Einblick in die Beschaffenheit der Tabelle gewährt. Wenn wir
uns blos auf die uns zunächst beschäftigenden Nachrichten über
Makedonien beschränken, so ist schon auffallend, dass sowohl
bei Aeropos (XIV 37, 5 und 84, 6 Jahre), als auch bei Pausanias
(XIV 84. 89, 1 Jahr) und Amyntas (XIV 89 und XV 60, 24 Jahre),

3S) Daher die Bezeichnungen: kcitü tv]V Eüpumnv, k. Tr|v 'Acrtav, k. xf|V
'kaXiav, iy 'Mr\yav; ('A6nvnai), 4v -rr) ZiKeXia, irap& Aaxebainovioic,, £v TaTc,
ZupaKovjaaii;, tco/ra Tr)v Maxec-oviav, k. ti'iv Kapiav u. A. m.

") Darauf führen auch einzelne Wendungen in diesen Anschnitten, hes. XV 60:
ibiov bi ti avvtfrr) etc.

40) S. 24.

") Oh auch nach römischen Consuln, muss derzeit noch als offene Frage
angesehen werden, deren Beantwortung für unsere Zwecke keine Wichtigkeit hat.

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