Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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von Theopomp's Hcllenika; XIV 89 die Ermordung des Pausanias
und Amyntas' Thronbesteigung fällt gleichzeitig mit dem Tode des
Königs Pausanias von Sparta; XV 60 der Tod des Amyntas gleich-
zeitig mit dem des Agesipolis und Iason; XIV 92 die Vertreibung
des Amyntas nach dem ersten Jahre seiner Herrschaft ist in dem-
selben Jahre wie der Tod des bosporanischen Königs Spartokos.

Es ist nicht zu leugnen, dass dieses von Diodor erhaltene
Schema sich nicht nur durch seine Einfachheit von den späteren
Aufstellungen der Chronographen vortheilhaft unterscheidet, sondern
auch ersichtlich (s. oben) auf guten Quellen beruht und in seinen
chronologischen Ansätzen wohlbegründet ist. Man wird nicht fehl
gehen, wenn man dieses Schema als das älteste oder doch das dem
ältesten von der uns erhaltenen Ueberlieferung am nächsten stehende
ansieht. Ich glaube aber, dass sich in unserem Falle noch ganz
gut beobachten lässt, welche Phasen der Umbildung die ursprüng-
liche Liste in den späteren Bearbeitungen durchgemacht hat. Die
erste Aenderung, welche vorgenommen wurde, bestand darin, dass die
Regierungen des Pausanias und des Amyntas (dessen erste) gegenseitig
umgestellt und damit das wesentliche Verhältniss zwischen beiden
verkehrt wurde; welcher Grund den Bearbeiter zu diesem Verfahren
bewog, ist nicht mehr deutlich zu erkennen, vielleicht war es die
Lust an einer künstlichen Gliederung in Gegensätze: auf jeden
Herrscher aus der rechtmässigen Linie sollte ein Usurpator folgen,
auf Orestes Acropos, auf Amyntas Pausanias, wieder auf Amyntas
Argaios. Diese Umstellung zog nun die folgenden Aenderungen
naturgemäss nach sich. Wenn Pausanias nicht seinem Vater Aeropos
folgt, sondern nach dem ersten Jahre des Amyntas mit seinem ein-
zigen Jahre eingesetzt wird, so muss er den Letzteren aus seiner
Herrschaft verdrängt haben und für den von Diodor erwähnten
Usurpator Argaios ist an dieser Stelle kein Platz mehr. Er muss
daher an einen andern gestellt und weiter heruntergerückt werden;
aus der späteren Zeit des Amyntas ergab sich hiefür als passendstes
Jahr 383, da in diesem Amyntas nach Diodor (XV 19), zusammen-
gehalten mit Xcnophon in den HelleniUa V 2, 13 sich, freilich durch
das Vord ringen der Olynther in verzweifelter Lage befand und
wieder einen grossen Theil seines Reiches verloren hatte. In dieses
Jahr setzte der Bearbeiter das Ende der zweijährigen Herrschaft
des Argaios, diese dauert somit von 385 bis 383. Wir haben jetzt
schon eine zweimalige Vertreibung des Amyntas und eine zweimalige
Usurpation des makedonischen Thrones während seiner Regierung,
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