Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Syncellus erhalten ist, vorgenommen worden sein. Die spätere
Umbildung, welche mit der Heraufrückung der Epoche in das Jahr
814 verbunden war, kann erst auf diese gefolgt sein (dies zeigt
besonders die Veränderung, die mit der Zahl 24 hier vorgenommen
wurde und die 3 Jahre des Orestes); ich halte es daher auch für
unmöglich, sie so früh anzusetzen wie Gutschmid, der sie in's zweite
Jahrhundert v. Gh. verweist58). Wenn nun auch Gutschmid mit
seiner Annahme, dass bei Syncellus die älteste makedonische Kö-
nigsliste vorliege5;'), nicht Recht hat, so können wir uns ihm we-
nigstens soweit anschliessen, dass dessen Liste relativ am wenig-
sten verfälscht ist und den übrigen gegenüber den reinsten Zustand
der chronographischen Ueberlieferung vertrete.

Zu unserer Ansicht nun, dass das Schema bei Diodor das
älteste für die makedonische Königsreihe von Archelaos' Tod bis
Alexander EL Regierungsantritt sei, stimmt auf's Beste der Nachweis
von Packß0), dass auch die von Diodor erhaltenen Zahlen für die
Könige von Karanos bis Archelaos der ersten, von Ephoros vor-
genommenen Fixierung der makedonischen Anagraphe am nächsten
stehen. Das Schema bei Diodor stimmt ferner allein mit den son-
stigen, noch aus dem vierten Jahrhundert stammenden Nachrichten
der Geschichtschreiber, welche bei Xenophon (bes. Hell. V 2, 12.
13. 38) und bei Diodor (XV 19) vorliegen; denn des Letzteren Er-
zählung über den olynthischen Krieg lässt sich doch mit grösster
Wahrscheinlichkeit auf Ephoros als Vorlage zurückleiten"1). Ich
habe schon oben (S. 14) gegenüber Volquardsen die allein zuläs-
sige Interpretation dieser Stelle hervorgehoben; um es kurz zu
wiederholen, sehe ich in derselben zusammengehalten mit XIV 92,
3 zwar eine Wiederholung des dort Erzählten, aber keinen Wider-
spruch dazu: Diodor hat XIV 92 die Nachricht von der Abtretung
eines Landstriches an Olynth und der Vertreibung des Amyntas
durch die Illyrer chronologisch fixiert aus seiner synchronistischen
Tabelle, XV 19 bringt er dasselbe aus seiner unchronologischen
Quelle und hat die von dieser auf einen längeren Zeitraum ver-
theilten Ereignisse, welche die Vorgeschichte des olynthischen Krieges
bilden, erst an dem Orte, an welchem er diesen selbst zu erzählen

iS) S. 115. 116.
i9) S. 106.

60) Hermes X 281 f. bes. 290. 300 f.

") Volquardsen, Untersunhungon S. 62. 66.
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