Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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seines Besitzes freuen; obwohl er durch die Abtretung eines Strich
Landes sich an den Olynthern sichere Verbündete schaffen wollte67),
wurde er doch durch einen Einbruch der Illyrer, welche wahrschein-
lich Verbündete des rivalisierenden Fürstenhauses waren, schon
nach Verlauf eines Jahres 393/2 vertrieben und verlor die Herrschaft.
Wie lange er derselben verlustig blieb und wann er dieselbe wie-
dergewann, ist für uns zu entscheiden fast unmöglich, da schon
in der Quelle Diodors zwei entgegenstehende Berichte sich fanden:
nach dem einen ist Amyntas nach kurzer Zeit restituiert worden,
nach dem Andern hatte Argaios, wahrscheinlich ein Lynkestefi8),
den Thron zwei Jahre inne und erst dann kehrte Amyntas zurück;
übereinstimmend ist bei beiden, dass er mit Hilfe der Thessaler
Makedonien wiedereroberteG9). Ob die gelegentliche Anspielung
von Isokrates70) (Archid. §. 46), der sonst als Zeitgenosse Be-
achtung verdient, dass Amyntas seiner Herrschaft beraubt anfangs
das Land zu verlassen dachte, dann aber sich zusammenraffte und
in drei Monaten Makedonien zurückerwarb, für die erstere Even-
tualität zu verwenden ist, lasse ich dahingestellt sein; mir erscheint
diese Aeusserung zu allgemein gehalten und zu einem rhetorischen
Zwecke zugespitzt, um einen bestimmten Schluss daraus ziehen zu
können. Wir müssen uns begnügen festzustellen, dass Amyntas
diese Usurpation (die in Wahrheit einzige während seiner Regierung)
siegreich überwand. Mit Recht setzt man nach der Wiedereinsetzung
des Amyntas seine zweite, von Strabo VII S. 326 erwähnte Heirat
mit Eurydike, der Tochter des Sirrhas und Enkelin des Lynkesten-
fürsten Arrhabaios und sieht darin den Versuch, die widerstreitenden
Familieninteressen zu versöhnen71). Doch war es auch dem König

C7) Ich halte dieses Motiv für richtiger als das von Diodor angeführte diro-
•fvoüq Tf|v dpxnv, welches von Schäfer, Demosthenes 2 S. 7 ('um seinem Feinde
nicht alles zu gönnen, überliess Amyntas Niedermakedonien und Pella selbst den
Olynthern') mit einiger Modifikation aufgenommen worden ist.

C8) Abel S. 209. Nach Schäfer vielleicht Pausanias' Bruder.

"j Abel S. 208 acceptiert Argaios' zweijährige Herrschaft.

'°) nTTriOeli; yäp imö tüiv ßapßdpwv tüliv irpoöoiKouvTUiv ndxn Kai irdans
Maxebovia^ dnoaTEpnee'k; tö uev irpwTov ekXhtew -rr|v y^iipav otevonön Kai tö
aOiua biaadiZew, dKoOaG«; bd tivo<; eiraivoOvTOc; tö irpöi; Aiovuöiov pr|9£v (cf.
§• 45) xai uexaYvoü<; üjatrep ekeTvo;, x^piov 1-iiKpöv KaTaXaßwv xal ßorjOeiav
EvOEvbE neTairciunjduEvo.; evtö<; uev xpiwv \ir\vwv Kareöxev äiraöav MaxEboviav,
töv b' fcTTiXourov xpövov ßaaiXeüiuv TnP« T0V ßiov €TeXeviTr|ö£V.

") Abel S. 209. Droysen' 1, 78. Schäfer, Demosthenes 2 S. G.

Archäologisch-epigraphische Mitth. VII.
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