Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Makcdonerkönig gebracht werden (vgl. auch §. 128 den Gegensatz
zwischen Hellenen und Barbaren: ö be navtiuv betvöicrrov, öiav ng
i'brj Toüg tfiv riYeuoviav e'xetv dSipOvrotg im uev Toug "EMnvag kciB'
eKacrinv Trjv riue'pav GTpaTeuoue'voug, Trpög be Toug ßapßapoug eic
ÖTravTa töv xpövov cruuuaxiav TreTromue'voug), ganz deutlich auf den
Zug der Spartaner gegen Olynth und keine andere dem Amyntas
geleistete Unterstützung hin. Dann muss man doch sagen, dass
der schon oben als werthvolle Ergänzung Diodors herbeigezogene
Bericht Xenophons, der als Zeitgenosse doch vor Allen in Betracht
kommt, von dieser Expedition der Spartaner gegen Argaios nichts
weiss; wenn nun auch bekannt ist, dass Xenophon manches über-
gieng, so that er dies doch gewöhnlich nicht, wenn die Erwähnung
im Interesse des stets in den Vordergrund gestellten Sparta lag,
wie es doch hier der Fall gewesen wäre. Ja, er weiss nicht nur
nichts von diesem Ereigniss, sondern seine Erzählung, welche uns
in ihrer ganzen Ausführlichkeit über den Anlass und Verlauf des
spartanischen Zuges genügend und bis in die Einzelheiten hinein
unterrichtet, ist mit dieser Annahme ganz unvereinbar , besonders
seine Nachrichten über den Ursprung der Expedition, die nur auf
Olynth als Veranlassung zurückgeleitet wird (Hell. V 2, 12. 13.
20 sq. 38). Aber auch allgemeine Erwägungen hätten von dieser
Aufstellung abhalten sollen: kann man denn wirklich im Jahre 382
an ein freundschaftliches Zusammenwirken Athens und Spartas zu
einem einheitlichen Zweck, nun gar auf einem Kriegszuge in gemein-
samer Waffenbrüderschaft denken? Es waren doch nur wenige
Jahre verflossen, da sie gegeneinander im erneuten Ringen um die
Führerschaft Griechenlands im Felde gestanden hatten, und der
antalkidische Friede, welcher die neu erwachten Hoffnungen Athens
geknickt, die Ansätze zu einer Wiederherstellung seines früheren
Seebundes vernichtet und eine Aera der rücksichtslosesten Herr-
schaft Sparta's über ganz Griechenland eröffnet hatte, musste in den
Herzen der besiegten Athener den tiefsten Groll gegen den Sieger
zurückgelassen haben82). Athen scheint überhaupt in der Zeit vom
Antalkidasfrieden bis zu dem Umschwung, der sich durch die Be-
freiung Thebens vorbereitete, in vollständiger Passivität verharrt zu

8') Grote 2 IX 289 f. bes. 292 verweist auf die oben zu einem anderen Zweck
herangezogenen Worte des Isokrates Paneg. §. 125 sq. Man denke ferner an die
Aufnahme der thebaniseben Flüchtlinge in Athen (Hell. V 2, 31).
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