Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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nach seiner Rückkehr im Jahre 391 ein87) — nach Gutschmid's
System weiss ich sie nicht einzureihen —, Alexander hätte also
382 auch kaum älter als acht Jahre sein können. Ohne deshalb
eine endgiltige Entscheidung zu fällen, muss man sich doch die
Frage vorlegen, ob es nicht möglich sei, ein Bündniss zwischen
Amyntas und Athen nach dem Jahre des Nausinikos (378) anzu-
nehmen. Es kann sich kaum um eine Aufnahme des Amyntas in
den zweiten Seobund handeln, denn in dem erhaltenen Theil des
Verzeichnisses der Mitglieder desselben (C I. A. II. 17), welches
den Umfang der Bundesgenossenschaft um das Jahr 374 darstellt88),
kommt Amyntas nicht vor, man kann aber auch schwerlich an eine
spätere Mitgliedschaft denken, da eine Nachricht vorliegt (Diodor
XV 60), Amyntas sei im letzten Jahre seines Lebens Bundesgenosse
des Iason von Pherae geworden. Es kann aber sein, dass Amyntas,
ohne in den attischen Seebund einzutreten, mit Athen allein ein
Bündniss abschloss. Nun hat Schäfer89) mit grösster Wahrschein-
lichkeit angenommen, dass Timotheos auf seiner Fahrt nach Thra-
kien im Sommer 373 mit Iason und Amyntas in Verbindung ge-
treten sei und ersteren als Bundesgenossen für Athen gewonnen
habe; es ist da wohl nicht zu kühn, zu vermuthen, dass auch
Amyntas in diesem Jahre zu Athen freundliche Beziehungen ange-
knüpft habe und das durch das Urkundenfragment bezeugte Bünd-
niss in dieses Jahr zu setzen sei. Zu einer so späten Datierung
des Bündnisses würde vor Allem passen, was als hauptsächliche
Sclvwierigkeit bei einer früheren Ansetzung erschien, dass Alexander
damals sicher schon erwachsen war, daher ganz gut den Ver-
trag beschwören konnte. Dann darf man sich fragen, ob der Z. 7
des Psephisma als makedonischer Gesandter bezeichnete Ptolemaios
nicht mit dem 'der Alorit' genannten Schwiegersohn'J") des Amyntas,
dem späteren Mörder des Alexander und Usurpator des Königs-
thrones'-") zu identificieren ist; es wäre begreiflich, dass für eine
so wichtige Mission ein Vertrauensmann aus der Familie des Königs
gewählt wurde. Auch dieses Moment würde eher zu einer Herab-
rückung der Urkunde stimmen ; endlich darf man für dieselbe noch
anführen, dass der am Ende des Fragmentes erscheinende rauias

") Droysen, Hellenism. 3 1, 78 setzt die Vermälung in das Jahr 386.

55) Busolt 1. 1. 768.

ss) Demosthenes und seine Zeit 1, 52.

90) Justin. VII 4, 5.

91) Abel, Makedonien S. 218 f.
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