Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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br|uo(u)) auch aller Wahrscheinlichkeit nach erst seit Nausinikos
nachzuweisen ist92). Von grossem Werthe für diese Bestimmung
ist, dass, wie Herr Professor Ulrich Koehler in Athen — der auf
meine Bitte hin die Güte hatte, die Fragmente einer erneuten Unter-
suchung zu unterziehen — mir brieflich mittheilt, die Schrift-
formen, besonders Gestalt und Grösse der Buchstaben auf eine
etwas spätere Zeit als die ursprünglich von ihm nach Schaefer
angenommene weisen (nach der Schrift allein würde auf die Sech-
ziger Jahre zu schliessen sein). Eine absolut sichere Entscheidung
nach der einen oder anderen Seite hin lässt sich nicht fällen, man
muss sich begnügen, beide Möglichkeiten angedeutet zu haben.

Nachdem wir uns durch die Herstellung der ältesten Form,
welche die Ueberlieferung über die makedonische Geschichte von
400 bis 380 darbietet, den Weg geebnet haben, können wir zur
Erörterung der Hauptfrage, dem Verhältniss der chalkidischen In-
schrift zu den erzählten Ereignissen, übergehen. Die Inschrift ist
nicht durch eine Datierung zeitlich fixiert, man muss also aus
eigener Vermuthung den Zeitpunkt zu bestimmen trachten. Aus-
geschlossen bleibt nach dem Inhalt der Urkunde und der Stel-
lung des Amyntas zu Olynth das ganze Decennium zwischen 390
und 380; als allgemeine Möglichkeit muss dagegen zugegeben
werden, dass das durch die Inschrift ausgedrückte Bundesverhältniss
zwischen beiden Mächten sowohl in die ersten Jahre des Makedo-
nerkönigs vor 390, als auch in die Zeit nach Unterwerfung Olynth's
durch Sparta um 380, also in die zehn letzten Jahre von Amyntas'
Regierung fallen könne, wobei man allerdings nicht an die ersten
Jahre unmittelbar nach 380 denken dürfte, da der Groll der Olynther
gegen Amyntas, welcher den eigentlichen Anlass zum Sturze ihrer
schon so bedeutend entwickelten Macht gegeben hatte, noch zu frisch
gewesen sein wird, um das Eingehen eines so engen Verhältnisses
für wahrscheinlich zu halten. Aber auch andere und gewichtigere
Gründe sprechen gegen den späten Ansatz des Vertrages. Durch
die Ergebung Olynths an Sparta und den Eintritt in die von diesem
geleitete Symmachie war der olynthische Städtebund aufgelöst wor-
den 93) und von einem Bündniss desselben mit Amyntas kann daher

') Fellner in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie B. 95 S. 424.
') Schäfer, Demosthenes 2, 8 n, 1. Abel, Makedonien S. 215.
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