Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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bis auf Weiteres keine Rede sein. Wann Olynth die Neubildung
seines Städtevereins unternahm, ist fraglich, denn wir haben dafür
keine bestimmte Angabe; ich möchte dieses Wiederaufleben der
Macht Olynths nicht zu früh ansetzen. Die in dem Verzeichniss
der Mitglieder des zweiten 'attischen Seebundes erscheinenden (C.
I. A. n. 17 B Z. 5. 6) [Xa\Ki]bris [OpdKng], welche wahrschein-
lich von Chabrias im Frühjahr 375 für den Bund gewonnen wurden94),
dürfen nicht als der neue olynthische Bund aufgefasst werden,
sondern sind, wie Schäfer erkannte 05j, die Bewohner der Stadt
Chalkis am Berge Athos. Die Olynther erscheinen Ol. 100, 4. 377/6
bei Diodor XV 31, 2 als Bundesgenossen Sparta's und bei Agesi-
laos' zweitem Zuge nach Böotien in demselben Jahre waren die
olynthischen Ritter ein Theil der spartanischen Armee (Xen. Hell.
V 4, 54); die Spartaner werden aber kaum den ihrer Herrschaft
Untergebenen die Wiederherstellung des Bundes gestattet haben,
welchem sie vor wenigen Jahren ein Ende gemacht hatten. Wenn
nun auch für die Zeit nach 377 die Zeugnisse mangeln, so ist es
doch das der Natur der Sache angemessenste zu vermuthen, dass die
Wiederherstellung des chalkidischen Bundes in die Zeit nach 371
fällt, da durch die Schlacht von Leuktra der spartanischen Hege-
monie für immer ein Ende gemacht war96). Aber selbst wenn man
dieser Annahme nicht folgen will und glaubt, dass die olynthische
Eidgenossenschaft noch vor 371 und nur später als 377 erneut
worden sei, so ist die Anknüpfung eines Bundes zwischen dieser
und Makedonien bei der ganz verschiedenen Richtung, welche die
auswärtige Politik beider Staaten von nun einschlug, zum mindesten
schwer verständlich. Amyntas neigte sich, wie wir sahen, auf die
Seite Athens, ja er erbot sich sogar die nie aufgegebenen Ansprüche
der Athener auf den verlorenen thrakischen Besitz, speciell Amphi-
polis, zu unterstützen9'), während Olynth seit dem Wiedergewinn
seiner früheren Stellung bis kurze Zeit vor seinem Untergange als
steter Gegner der Verwirklichung dieser Ansprüche auftrat. Ich
glaube daher mit grösserer Berechtigung unsere Inschrift in die

'") Schäfer, de soeiis Atheniensium Chabriae et Timothei aetate in tabula pu-
blica inscriptU comm. S. 13 f. Busolt L I. 760.
5) de soeiis S. 15.

!IG) Daran dachte schon Böhnecke, Forschungen auf dem Gebiete der atti-
schen Redner 1 S. 143.

") Aeschin. or. II §. 32.
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