Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Illyrern gegenüber im Stiche gelassen und die vertragsmässige
Hilfe gar nicht oder nur ungenügend geleistet; wenigstens schweigt
Diodor's Bericht von einer solchen und auch die baldige Um-
wandlung des früheren freundschaftlichen in ein feindliches Verhält-
niss zwischen Beiden deutet auf ein Nichteinhalten der übernom-
menen Verpflichtungen von Seite Olynths.

Unsere Inschrift ist für die Kenntniss der Organisation des
ersten olynthischen Bundes (bis 380) und der Zustände der uns
beschäftigenden Zeit,oti) von grossem Werthe; ihre willkommene Er-
gänzung findet sie durch die Rede, welche Xenophon die Gesandten
von Akanthos und Apollonia vor den Lakedämoniern und ihren
Bundesgenossen im Jahre 383 halten lässt {Hell. V 2, 12 ff.) — ein
äusserst wichtiges Document — und einige Notizen bei den Rednern,
welche allerdings über den zweiten, durch Philipp zerstörten olyn-
thischen Bund berichten, aber doch auf die Verhältnisse des ersten
Rückschlüsse zulassen. Schon für die Feststellung des Namens der
von Olynth geleiteten Eidgenossenschaft hat die Urkunde Bedeutung:
sie bestätigt, dass, was Härtel erkannt hat107), die officielle Be-
nennung derselben XcAKibeig war (A Z. 3. 7, B Z. 8. 10. 12. 16),
eine Abkürzung des, wie es im Hinblick auf C. I. A. II. 105
wahrscheinlich ist, volleren Namens: o\ Xa\Kibeiuv tujv Im GpotKn?
eairepioi. Wenn dieser Name nun auch, wie die für die etwas später
entstandenen Bünde gebrauchten 'Axcaoi, AiTwXoi, 'Apnäbeg zunächst
auf den gemeinsamen Ursprung und nationalen Zusammenhang der
verbündeten Städte hinweist, so ist doch nicht zu übersehen, dass
zwischen dem führenden Vororte und dessen Bundesgenossen kein
Unterschied gemacht wird (etwa ausgedrückt durch 'OXuvöioi Kai o\
aüuuaxoi); es wird dadurch ein festerer Zusammenhang zwischen
den Gliedern des Bundes angedeutet. Die mit Olynth verbündeten
Städte bilden zusammen ein koivov (B Z. 4), eine Verbindung, die
hier sicher aus wesentlich politischen Gesichtspunkten gebildet ist

106) Die Geschichte des chalkidischen Städtehundes hat K. G. Bühnecke,
Forschungen auf dem Gebiete der attischen Eedner (Berlin 1843) 1 S. 95 ff. zum
Gegenstand einer zusammenhängenden und ausführlichen Darstellung gemacht, von
der man aber, ohne ungerecht zu sein, behaupten kann, dass ihr Verdienst mehr
darin bestehe, die Quellenstellen gesammelt, als selbständige Folgerungen aus den-
selben gezogen zu haben.

,07) Demosthenisehe Anträge S. 18 des Separatabdruekes (aus den Commentat.
Mommsen.).
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