Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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doch geht es nicht an, die späteren Verhältnisse auf die frühere
Zeit einfach zu übertragen. Der Umfang muss beträchtlich ge-
wesen sein (wegen Hell. V 2, 12 outoi twv TiöXewv TroXXaj Trpocr-
riYaYOVTo), doch kennen wir nur die Namen von zwei Städten,
welche der olynthischen Eidgenossenschaft angehörten, abgesehen
von den makedonischen, nämlich Potidäa (Xen. Hell V 2, 15. 24)
und Torone auf der Halbinsel Sithonia (ibid. 3, 38). Etwas mehr
erfährt man über die Städte, welche nicht beigetreten waren: nach
unserer Inschrift waren solche neben den Bottiäern, die einst mit
den Chalkidiern gemeinsam von Athen abfielen (Thuc. I 58, 1) und
deren städtischer Mittelpunkt Spartolos war, Amphipolis, Akanthos
(dazu Hell. V 2, 11 sq.) und Mende, dieses auf der Pallene (Thuc.
IV 123. Herod. VII 122). Die beiden letzteren Städte scheinen über-
haupt dem olynthischen Bunde zu allen Zeiten fern geblieben zu
sein, denn sie wurden, worauf Böhnecke aufmerksam macht115),
von König Philipp nicht zerstört. Dass Akanthos auch zur Zeit
des olynthisch-spartanischen Krieges gegen Olynth stand, weiss
man aus der Gesandtschaft von Apollonia und Akanthos nach
Sparta; für die Bottiäer bezeugt dies die Notiz, dass ein Theil der
Spartaner nach einem unglücklichen Treffen vor den Mauern Olynths
nach Spartolos floh (Hell. V 3, 6): Trcivieg c^cpeufov, oi uev em Y.Tiap-
tiüXou, oi be eni 'AkccvBou, oi be ei? 'ATroXXtuviav, oi nXetcrToi be ei?
TToxeibaiav (das unterdess von Olynth abgefallen war). Zu diesen
Städten kommen noch Apollonia (Hell. V 2, 11 sq. 3, 6) und die
Städte der Pallene (ibid. 2, 15), zu welchen auch das schon genannte
Mende und ferner Aphytis gehören, wo Agesipolis starb (Hell. V
3, 19). Auf andere, noch nicht beigetretene Städte deuten einige
Wendungen Xenophons (1. 1. 2, 23. 39. 43). Als das wahrschein-
lichste ist festzuhalten, dass sich die Herrschaft Olynths noch nicht
auf die Halbinsel Pallene ausgedehnt hatte oder dies erst unmit-
telbar vor dem spartanischen Zuge geschehen war.

In den letzten Jahren vor 380, wahrscheinlich in dem ganzen
Decennium von 390 ab, hatte nun diese chalkidische Eidgenossen-
schaft einen entschiedenen Aufschwung genommen. Mehrere Fac-
toren wirkten dazu mit: einerseits musste der gesteigerte materielle
Wohlstand des handels- und schiffahrttreibenden Volkes, das eine

der Neuherausgabe der Tributlisten, in welchen die Städte des thrakischen Quartiers
erscheinen, eine viel bessere Grundlage haben, halte ich eine solche Zusammen-
stellung doch für ziemlich problematisch.

"5) Forschungen 1, 165 n. 1 (vgl. Dem. or. XXXV §. 35).
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