Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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fruchtbare Gegend bewohnte, demselben ein Gefühl der Kraft und
Selbstständigkeit einflössen110); auch die militärische Macht, welche
Xenophon zu 800 Hopliten, einer grösseren Zahl von Peltasten und
1000 Reitern angiebt117), war keine unbedeutende. Andrerseits sahen
sie in ihrer Nachbarschaft das makedonische Reich durch Thron-
streitigkeiten und innere Fehden zerrüttet, die Erbfolge und die
königliche Autorität erschüttert-, sie selbst hatten durch die Gunst
dieser Verhältnisse eine Erweiterung ihres Gebietes erlangt. In dieser
Zeit entstand unter den Führern des olynthischen Demos der kühne
und gewiss grossartige Gedanke, hier im Norden an der Grenze
des Barbarenlandes ein grosses hellenisches Städtereich zu gründen,
welches sich längs der Gestade des thrakischen Meeres ausdehnen
sollte. Wir haben bereits gesehen, wie sie daran giengen, das ma-
kedonische Reich nach und nach aufzulösen und sich dessen Be-
standteile einzuverleiben, wie gut ihnen dies gelungen war und
Amyntas fast sein ganzes Gebiet wieder verloren hatte, sogar seine
Hauptstadt Pella. Die Chalkidier hatten sich schon völlig an die
Stelle Makedoniens gesetzt, und ihr Werk schien fast vollendet, als
Sparta mit seiner Intervention dazwischenfuhr. Hand in Hand mit
dieser Ausbreitung nach Westen gehen Eroberungspläne nach Osten;
die den Olynthern schon ergebenen thrakischen Stämme sollten
ganz unterworfen und die Goldbergwerke des Pangaion (Herod. VII
112) eine neue Quelle ihrer Stärkung werden {Hell. V 2, 17). Es
handelt sich hier, wie Xenophon selbst es ausspricht, um wohlbe-
dachte und wohlvorbereitete Pläne der Olynther (kcu toutuiv f]\xüg
oubev Xefouev ö, ti oük ev tui tujv 'OXuvöiujv br)uw uupiöXeKxöv ecm).
Neben dieser Ausbreitung zu Lande geht das Bestreben, eine Flotte
zu schaffen; darauf führt nicht blos die Andeutung bei Xenophon
{Hell. V 2, 16), auch die in unserer Inschrift enthaltene Begün-
stigung für die Einfuhr des Holzes, sowie des Pechs118) aus Ma-
kedonien — schon der Zusammenhang, in welchen diese beiden
Produkte gebracht werden — kann nur dahin aufgefasst werden,
dass die Chalkidier, welchen der Bestand an Schiffsbauholz in
ihrem Gebiet (ottou £uXa uev vctuTrriYncnua ev aüTrj rij X^P« eo-ri)

*") Bell. V 2, 16.

"') Bezüglich der differierenden Zahlen bei Demosth. or. XIX §. 264 stimme
ich Grote bei (» IX S. 268 n. 1).

*,s) Mit diesem wurden die Schiffe getheert (Blümner, Technologie 2, 353).
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