Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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für ihre Zwecke nicht genügend erschien 119), den möglichst raschen
Bau einer Flotte anstrebten. Den Rücken decken wollte sich die
neue Macht durch auswärtige Allianzen: da sie Sparta als natür-
lichen Gegner ihrer Bestrebungen erkannte, so trat sie mit dessen
Gregnern Athen und Theben in Verbindung und mit Böotien wurde
sogar ein förmliches Bündniss abgeschlossen (Hell V 2, 34): a\\ä
unv Kai Tipöff 'OXuvOiou? dbÖTeg üuäj TiöXeuov eKcpepovieg cruuuaxiav
eTTOioüvro (sc. oi ©nßaioi)120). Diese Thatsache wirft ein bedeut-
sames Licht auf die damalige Stellung der griechischen Staaten
zu einander; Sparta befand sich jedesfalls einer gefahrdrohenden
und plötzlich entstandenen Coalition gegenüber und bei dem Zuge
gegen Olynth und der Erfüllung des Gesuches von Apollonia und
Akanthos handelte es sich weniger um die Vertheidigung der au-
tonomen Rechte der chalkidischen Städte, als um die Erhaltung
seiner Hegemonie über Griechenland gegen eine neue Staatengrup-
pierung. Und die Kadmeia wurde nicht besetzt, weil Theben ge-
rade dem Phoebidas bei seinem Marsche nach Thrakien auf dem
Wege lag, sondern weil Sparta mit einem Schlage und dem möglichst
geringen Aufwand an Mitteln beide ihm entgegenstehenden Gegner
niederschmettern wollte121). Was auch eine moralische Geschichts-
betrachtung gegen die Ueberrumpelung der Kadmeia einwenden
mag, vom Standpunkt der Erhaltung seiner Herrschaft aus, dem
für ihn einzig massgebenden, hat Sparta damit klug und energisch
gehandelt. — Der Ausbreitung des chalkidischen Bundes nach
auswärts entspricht das Streben einer strammen Centralisierung des-
selben nach innen; die durch die überkommenen sacral- und pri-
vatrechtlichen Normen begründeten Unterschiede zwischen den ein-
zelnen Städten sollen fallen zu Gunsten einer energischen Zusam-
menfassung aller Kräfte, die bürgerliche Vollberechtigung in einer
Stadt dieselbe begründen auch in den anderen. Es bildete gleichsam
den Schlussstein zur Schaffung eines fast einheitlichen Staates,
dass von nun an jeder Bürger einer der chalkidischen Eidgenos-

"') Gar so bedeutend kann überhaupt der Keichthum an Holz der Chalki-
dike nicht gewesen sein, wenn schon die Schenkung des Dachholzes von Philipp
an Lasthenes allein als bedeutende Gunst erscheint.

Wenn der Abschluss desselben auch nach der Abreise der Gesandten von
Akanthos und Apollonia nach Sparta fällt, so waren die Verhandlungen doch schon
früher angeknüpft (Hell. V 2, 15).

"') Natürlich muss, wie Grote (IX 7 273) gesehen hat, die Besetzung Thebens
durch Phöbidas schon im Voraus beschlossene Sache gewesen sein.
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