Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 57
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1883/0063
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
57

es waren dies nebst Potidäa und Spartolos, dem, wie es scheint,
einzigen städtischen Mittelpunkte der Bottiäer, Stolos, Olynth, Me-
kyberna, Sermyle, Singos, Assera, Strepsa, Skapsa, und die Phe-
guntier, alle, wie Thucydides mit Recht sagt, am Meer gelegene
Städte, die meisten in der Nachbarschaft Olynths. Ich will nun
für meine Vermuthung nicht jene, ziemlich zahlreichen Stellen an-
führen, in welchen Thucydides von XaXKibetg schlechtweg spricht m),
denn man kann wenigstens die meisten derselben auch in dem Sinne
deuten, dass er keinen anderen Zusammenhang als den ethnogra-
phischen gemeint habe. Wichtig ist dagegen die Stelle IV 78, 1:
als Brasidas im Sommer 424 auf dem Marsche nach Thrakien in
dem Trachinischen Heraklea anlangt, kommen ihm spartanerfreund-
liche Thessaler entgegen, um ihm den Durchmarsch durch Thes-
salien zu ermöglichen und unter diesen befand sich Strophakos
TTpöSevoc; wv XaXKibeuJV. Nach dem ganzen Zusammenhang können
damit nur die thrakischen Chalkidier gemeint sein; und die Aus-
drucksweise des Schriftstellers lässt, denke ich, keine andere Aus-
legung zu, als dass wir es hier mit dem Proxenos nicht einer Stadt,
sondern dem Proxenos des koivöv der Chalkidier zu thun haben.
Wir besitzen eine Reihe von inschriftlich gesicherten Beispielen,
dass nicht blos einzelne Städte, sondern auch Bundesstaaten ihre
Tpö£evot hatten135). Wenn also im Jahre 424 ein Proxenos des
chalkidischen Bundes erseheint, so muss in diesem Jahre auch
schon die Conföderation bestanden haben. Einen Hinweis auf die-
selbe Thatsache gibt eine andere Nachricht des Thucydides (VI 7,
4), dass die Chalkidier im Winter 415/4 mit den Athenern in einem

(fS-97o. 98 bei Köhler = fg. 10. 11 bei Kirchhof?), welche Köhler in das dreiund-
»vränüigste Tributjahr Ol. 87, 1 setzte, hat Kirchhoff mit Recht in das neunzehnte
Jahr Ol. 86, 1. 436 (C. I. A. I. 244) verwiesen. Entscheidend ist, dass die oben
genannten Städte in der Quotenliste des Jahres Ol. 88, 1. 428 i.C. L A. I. 256), in
welcher der thrakische Tribut vollkommen erhalten ist, fehlen.

"') II 79, 5, 6. 101, 1. IV 7. 79, 2. 81, 1. 83, 3. 84. 114, 1. 124, 1. V 6,4.
21> 2. 30, 2. 31, 6. 38, 1, 4. 80, 2. 82, 1. 83, 4.

1S5) Ich stelle hier einige iiischriftliche Heispiele von itpöEevoi der KOivd zu-
sammen (schon Foucart hat bei Lebas P. II S. 112 einige gesammelt): der Akarnanen
Lebas p. m „, 1041-1043, Ath. Mitth. 4,223; der Eleutherolakonen, Lebas P.II
n- 255d, C. I. 6. 1335; der Arkader (cf. Foucart 1. 1. S. 186. 189), Lebas P. II
n- 340a; der Nesioten C. L G. 2334, Bull. 1883 S. 8 n. 2; des Achäischcn Bundes
& 1. G. 1542, Lebas P. Vn. 1730a; der Böoter, Larfeld Syll. inscr. Boeotic. n. 316,
317; der Kreter, Lebas P. V n. 1730a.
loading ...