Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 64
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sonst die Frage, warum man ein Cultbild im Herzen Athens bei
dem Haupt der sikyonischen Schule bestellt habe, schwer zu beant-
worten wäre. Vor Allem aber steht doch die Vorzüglichkeit der
Quelle, aus der der Scholiast seine Nachricht hat, gar nicht in
Frage, wenn auch die Wege, die die gleiche Notiz aus der alten
Atthis bis in den Plinius hineingeführt haben, nicht ganz klar ver-
folgbar sind.

Aber trotz seiner Vertrauenswürdigkeit birgt das Scholion
einen unverkennbaren inneren Widerspruch. Hat Ageladas zur
angegebenen Frist den Herakles Alexikakos gemacht, so kann er
nicht, wie der Scholiast behauptet, des Phidias Lehrer gewesen
sein. Und umgekehrt, war Ageladas des Phidias Lehrer, dann ist
die Zeitangabe des Hermes Alexikakos falsch. Darüber ist kaum
ein Zweifel zulässig. Man hat nun bisher auf die letztere Voraus-
setzung ein gut Stück Künstlergeschichte gebaut. Nun, da die In-
schrift des Argeiadas den chronologischen Ansatz seines Vaters in
Uebereinstimmung mit der bisher verworfenen Ueberlieferung sichert,
bleibt nichts übrig, als der Versuch, den zweiten Theil des Dilem-
mas auf seine Möglichkeit hin zu prüfen.

Die Annahme, Ageladas wäre nicht der Lehrer des Phidias
gewesen, scheint auf den ersten Blick gewiss Manchem so kühn,
dass er kaum geneigt sein dürfte, auf die Prüfung der vorzu-
bringenden Argumente näher einzugehen. Ich wenigstens erinnere
mich noch des verblüffenden Eindrucks, den auf mich, der ich diese
Ueberzeugung bereits gewonnen hatte, die mündliche Mittheilung
eines Fachgenossen machte, der mir vollkommen selbständig die
gleiche Hypothese vor Jahren mittheilte. Seine Gründe, waren frei-
lich andere als meine, so dass ich leider eine Bestätigung darin
nicht erblicken durfte, indess knüpfe ich daran die Hoffnung, dass,
wenn die Darlegung, die ich nun zu geben habe, auch abgewiesen
wird, die Frage selbst damit noch nicht aus der Welt geschafft ist.

Es ist viermal bezeugt, dass Phidias des Ageladas Schüler war,
ausser dem Scholiasten sagt es Suidas s. o. TeXcibaj und zweimal
Tzetzes Chil. VII 929. VIII 325 — aber nicht vierfach. Suidas wie
Tzetzes haben das Scholion ausgeschrieben und es schon in cor-
rupter Gestalt vorgefunden, wie ihr TeXäbag beweist, das heute dort
nur mehr 'Ekabcii lautet. Wir haben also nur den Scholiasten selbst
zu verhören. Da sind nun zunächst zwei Thatsachen merkwürdig.
Der Scholiast gibt nur Phidias als Schüler des Ageladas an, und
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