Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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nymus so: av Kai Tttepä e'xn ÜKTrrep Kai 6 toö TTuea-föpou TTepcreus.
Da wir aber sonst kein Sterbenswörtchen von einem Perseus des
Pythagoras hören, die erwähnte Statue aber der Art ihrer Erwähnung
nach als allbekannt vorausgesetzt wird, so scheint mir die Annahme
einer Verwechslung nahe zu liegen. Der Mann dachte bei Myron
instinctiv an die alte Schulweisheit von dessen Rivalität und das
Unglück war geschehen.

Pythagoras, Myron und Polyklet, die galten in antiker Zeit
als das Dädalidendreigestirn, das des Ageladas Ruhm überglänzte.
Myron war auch ihr ein halber Attiker, Phidias aber ein ganzer.

Wenn ich nun auch mit Fug Phidias aus der Reihe der
Dädaliden gestrichen zu haben glaube, so meine ich doch eines
seiner Werke abtrennen und in dem Verzeichniss der Arbeiten der
Dädalidenzunft zurücklassen zu müssen, ohne einen besonderen
Meister dafür nennen zu können. Es ist die Goldelfenbein-Athene
zu Pellene in Achaia. Pausanias berichtet von ihr (VII 27, 2)
^eibiav be eivai töv eip-racFuevov cpaal rrpÖTepov exi r\ ev irj aKporröXei
Te aüiöv Tfj 'AGnvaiiuv Kai ev TTXaTaiaig Troifjcrai t% 'AGnväg tü
ajaXuaia. In diesem Satze ruft das cpaffl den Eindruck der Un-
sicherheit hervor, der durch die kühne relative Datirung nicht ver-
wischt wird. Was mag aber die höchst auffällige, in dieser Form
geradezu einzige relative Datirung veranlasst haben? Offenbar das
Bildwerk selbst. Es sollte Phidias sein, und doch war ihm archai-
scher Charakter unverkennbar aufgeprägt. Die pseudokritische
Auflösung dieser Schwierigkeit ergab dann die erwähnte Bestimmung.
Dass es auch nicht von Phidias sein könne, darauf kam man gar
nicht. Es war ja eine goldelfenbeinerne Athene, die konnte, mochte
sie gemacht sein wie sie war, doch nur phidias'schen Ursprungs
sein ). Als man zu Pellene so schloss, da hatte man freilich ver-

°) So ging es auch der chryselephantinen Athena des Kolotes. Die Verwir-
rung, die sich in den Angaben Uber diesen Meister finden, erklären sich dadurch,
oass die Annahme (bei Plinius 35, 54), er wäre des Phidias Schüler gewesen, nahe
<lg, aber falsch ist. Ebenso unrichtig scheint die Nachricht zu sein, dass er der
Mitarbeiter am olympischen Zeus war. Strabo (VIII p. 353) lässt hier den Panainos
den Deuteragonisten spielen und dass er trefflich unterrichtet war, beweist seine
Bezeichnung deselben als doeXqpiboO? des Phidias, während er sonst als ö:oe\cp6c.
oder eindeutiger als frater desselben bezeichnet wird. Plinius macht ihn demnach
•ilter als er war und gesteht es mit den Worten: chroniconm errore non dubio
auch an. Bei der Arbeit im Athenatempel in Elis, wo Panainos doch auch die
Tempelwände bemalt hat, kann man sich Kolotes als jüngeren Genossen denken
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