Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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gessen, dass sich einst im benachbarten Sikyonerlande die Meister
trefflich auf chryselephantine Plastik verstanden, noch ehe dort der
Erzguss heimisch ward.

Die zwei grossen Schüler des Ageladas sind verschiedene
Wege gewandelt. In ihrem künstlerischen Wesen erscheinen sie
als Gegensätze, aber als solche, die sich berühren, um sich zu er-
gänzen. Hier haben wir nur nach der äusserlichen Laufbahn zu
fragen. Polyklet wird zum Haupt der Dädalidenzunft, zu ihrem
Fels und ihrem Stolz. Myron führen seine Wege zurück ins attische
Land, dessen Grenze er entstammte. Ausser dem plinianischen
Ansätze können wir, so viel ich sehe, keinerlei festes Datum aus
seinen Werken gewinnen. Die Statuen für Lykinos fielen nach
Olymp. 99, wenn das Geschichtchen, das Pausanias von seinen als
Fohlen nicht zugelassenen Pferden erzählt, mehr wäre als eine
Fremdenführerschnurre gewöhnlichster Sorte, zu der wohl die Klein-
heit eines der dargestellten Pferde mochte Anlass gegeben haben 10).
Die zwei myronischen Figuren waren Lykinos und der Rosselenker,
sie standen wohl auf der Quadriga, die Pausanias anzugeben ver-
glast. Es macht den vielleicht unrichtigen Eindruck, als ob für
diese ein anderer Meister hätte genannt werden sollen.

Auch für Myrons Sohn Lykios lässt sich, so viel ich sehe,
kein näheres Datum gewinnen. Ihn alt zu machen, weil Pausanias
von seinem grossen olympischen Werk, dem Weihgeschenk der
Apolloniaten angibt: küi eXexeiov -fpäfijiaaiv eanv apxaiois üttö toü
Aids xoig TTOoi, davon wird uns die Erwägung abhalten dürfen, dass
Pausanias ionisches oder gar attisches Alphabet erwartete, aber er
hielt Myron und folglich auch seinen Sohn für einen Athener n).

und danach werden die chronologischen Ansätze bei Brunn Zur gr. Kstlg. 437
noch dehnbarer. — Auch der epidaurische Asklepios von Thrasymedes wurde später
dem Phidias zugeschrieben, ohne ihm zu gehören, weil Technik und Motiv äusser-
lich an dessen olympischen Zeus erinnern mochten, wie denn Pausanias an den im
athenischen Olympieion erinnert. Dann braucht man aber der Zutheilung des
Athenagoras nicht die Concession zu machen (worin ich Brunn früher gefolgt bin),
Thrasymedes für einen Schüler des Phidias zu halten. Dass er älter war als sein
angeblicher Lehrer, darauf führen schon die Copien der Thronreliefs, wie sie Brunn
Arch. Mise. 4 erwiesen hat.

") Das hat Rutgers Africani Ol. an. p. 144 bemerkt und auch die Lösung
angedeutet, denn das von Brunn a. a. O. S. 479 vorgeschlagene Mittel ist zu stark
um nicht Bedenken zu erregen.

") VI 2, 2 und 8, 4.
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