Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Zu dem, was wir sonst von Leochares wissen, passt dieser
mango Lyciscus, die Apotheose des Gassenjungenthumes, wie die
Faust auf's Auge. Indess das könnte immerhin an unserem geringen
Wissen von diesem Künstler liegen, wenn es nur mit dem mango
Lyciscus nicht sonst seinen Haken hätte10). Urlichs bemerkt zu dieser
Stelle in seiner Chrestomathia Pliniana: „L. m. einen Sklavenhänd-
ler, der in einer Komoedie des Dichters Alexis im 4. Jahrh. v. C.
verspottet wurde. Der Händler bildete mit dem Knaben eine
Gruppe.« Um den Knaben noch fester an seinen Herrn zu fesseln,
hat Bursian vorgeschlagen nach mangonem ein A einzuschieben oder
an puerum ein que anzuhängen. Nun glaube ich aber diese „Gruppe"
nur für ein modernes Pasticcio ansehen zu dürfen, denn vom Ly-
ciscus des Alexis wissen wir ausser dem Titel doch so gut wie gar
nichts, und ehe wir an der handschriftlichen Ueberlieferung bei
Plinius herumcorrigiren, müssen wir sie doch selbst schärfer in's
Auge fassen. Nun bieten der Lesart des Bambergensis gegenüber
die jüngeren Handschriften: Lyciscus langonem, und das gibt, da
das puerum et cet. sich jetzt leicht als Apposition fassen lässt, einen
vortrefflichen Sinn, und was diesen Handschriften dem Bamber-
gensis gegenüber an Autorität abgeht, wird durch das Zeugniss des
Martial (IX 50. 5) mehr als genügend ergänzt.

Aros facimits Bruti puerum nos langona vivum.

'Damit ist der Künstler Lyciscus als Meister eines berühmten
Werkes diplomatisch erwiesen, und mit dieser Erkenntniss gewinnt
auch die ganze Partie bei Plinius klaren Zusammenhang. Es er-
klärt sich jetzt, warum der Schriftsteller auf Lykios und seinen
puer suffitor zurückkommt. Es ist nun nicht mehr ein unnützes
Einschiebsel, sondern eine Gleichung, die wir so fassen können.
Lyciscus verhält sich zu Lykios wie der Langon zum feuer-
anblasenden Knaben. Die Meister werden wie die Werke nahe
verwandt gewesen sein. Da wir den castellanischen Dornauszieher
und die Rothschildsehe Bronze kennen gelernt haben, werden wir
nicht allzu viel Mühe haben, uns diesen puerum subdolae ac fucatae
vwnilitatis stilgerecht zu denken, schwerer ist der Name zu erklären.
Mrruuv ist ein seltenes Wort und heisst der Zauderer. Ich will
nur als eine Thatsache erzählen, ob ich gleich aus derselben keinen
Schluss

zu ziehen rathe, dass es mir mit der Dialektübersetzung

,fi) Die Literatur bei Overbeck Gesch. d. gr. Plastik II 3 S. 170,
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