Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 76
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Schluss gibt er ihm den guten Rath: AeT dpa (e'qpn) xöv dvbpiavro-
ttoiöv tü t% i)juxfj> ep-fa Tai ei'bei npotfeiKaSeiv.

Dass diese Rede, genau so gehalten, Myron oder Polyklet
gegenüber einen trefflichen Sinn gehabt hätte, wird jedem Archaeo-
logen sofort einleuchten. Was bewog Sokrates sie dem Kleiton
angedeihen zu lassen? Aber „Kleiton" ist ja nur eine Koseform,
und unter den vielen Namen, die sich darunter verbergen können
ist auch der Polyklets. Wiederholt sich nun der bekannte Fall
mit dem platonischen Zeuxippos nicht umgekehrt? Bei dieser An-
nahme bleibt nur das eine Bedenken stehen, dass sich keine An-
spielung auf das Gespräch in der späteren Literatur zu finden
scheint, denn dass Polyklet eine Zeit lang in Athen war, macht
doch die Statue für Artemon wahrscheinlich, und warum sollte ge-
rade er, dessen Namen die zeitgenössischen Attiker so rühmen,
nicht ebenso gut wie Ageladas oder Naukydes dort gewesen sein '")?
Aber auch das eine Bedenken dürfte nur ein scheinbares sein.
Plinius verräth deutlich seine Kenntniss von diesem Gespräch. Er
setzt es voraus, wenn er von Myron sagt: numerosior in arte quam
Pohjclitus et in symmetria diligentior, et ipse tarnen corpörum tenus
curiosus animi sensus non expressisse. Das Letztere ist geradezu la-
teinisch das was bei Xenophon griechisch erzählt wird.

Vielleicht ist uns auch noch ein lustiges Gegenstück zu dieser
Geschichte erhalten. Die Anekdote vom dummen Kallias und Poly-
klet sieht fast wie ein solches der vom weisen Sokrates und Poly-
klet aus20).

Polyklets Ruhm hat den seiner Zunftgenossen, die sich um
ihn schaarten, so mächtig überstrahlt, dass ihre Gestalten in seinem
Glänze fast bis zur Unkenntlichkeit verschwammen. Phradmon und
Patrokles, die zugleich mit ihm lebten und wirkten, sind uns nicht
viel mehr als blosse Namen. Ein Stück von dem, was diesem an
Ruhm abgezogen ward, ist ihm wieder in seinen Kindern Naukydes
und Dädalos zugelegt worden. Neben Polyklet glaube ich jetzt
noch einen anderen Künstler stellen zu dürfen, der sich neben
Phidias, wo er sonst steht, fremdartig genug ausnimmt, Kresilas
von Kydonia. Als Kreter musste er zu den sikyonischen Dädaliden

a) Als stärkstes Beispiel vgl. Xeuophon Mem. I 4, 3 = Ov. Schriftq. 972.
") Aelian. Vas. hist. XIV 16 es Ov. Schi'iftq. 970.
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