Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Unediertes aus Rhodos

Durch die bei der vorjährigen österreichischen Expedition
nach Lykien, an welcher ich im Auftrage des hohen k. k. Ministe-
riums für Cultus und Unterricht theilnahm, getroffene Anordnung,
dass ein Theil der Mitglieder die Reise um eine Woche früher als
die übrigen antrat, bot sich mir, indem ich mich den ersteren an-
schloss, die seit Langem erwünschte Gelegenheit, einige Tage in
Rhodos zuzubringen, um für eine von mir vorbereitete Publication
der griechischen Künstlerinschriften das dortige Material zu stu-
dieren, respective die zur Herstellung von Facsimile's nöthigen Ab-
klatsche zu sammeln. Bei der Kürze der mir zur Verfügung ste-
henden Zeit, von welcher vier Tage auf die zu Lande unternom-
mene Reise nach Lindos, dem für rhodische Künstlerinschriften
bedeutendsten Orte, entfielen, konnte von vorne herein nicht daran
gedacht werden, auch nur nebenbei der Auffindung neuer Monu-
mente ein Augenmerk zuzuwenden; auch fehlte mir, da die gedächte
Eintheilung erst ganz zuletzt bewerkstelligt wurde, die hiefür nö-
thige specielle Vorbereitung. Meine Aufgabe erschwerte sich über-
diess durch den vollständigen Mangel einer Persönlichkeit, welche
mir für die mich interessierenden Inschriftsteine mit Ortsnachwei-
sungen hätte dienen können. Dr. Franz Barmann, dem Foucart
vor siebenzehn Jahren so vielfache Förderung dankte, traf ich
nicht mehr am Leben, und die mit liebenswürdigem Entgegenkommen
von seiner Familie vorgenommene Nachforschung in den hinterlas-
senen Papieren ergab leider nur ein ganz geringfügiges Resultat.
Auch Herr Eduard Bili otti, der derzeitige italienische Viceconsul,
von dessen regem Interesse für die Geschichte seiner Heimatinsel
das kürzlich im Vereine mit dem Abbe Cottret herausgegebene
Werk: L'ile de Rhodes*), sowie eine " von mir nur in den ersten
Correcturbogen gesehene Sammlung rhodischer Inschriften, die in-
dessen fast nichts Neues enthält, Zeugniss ablegen, konnte mir spe-
ciell für die Künstlerinschriften die gewünschten Auskünfte nicht
ertheilen. Ich war daher buchstäblich darauf angewiesen, Stadt,
Vorstädte, und namentlich den Monte Smith, die alte Akropolis,

*) Rhodes, 1881, chez les auteurs, et ä Compiegne, chex Cottret, 11, nie de
VMtoile, 8", 722 SS.
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