Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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enthalte daselbst mehr Zeit zu widmen, als vom Vormittag des 10.
bis zum Nachmittage des 20. April, da bereits für den 22. die
Ankunft des „Taurus" in Rhodos erwartet wurde. Trotzdem ich in
Folge dessen hier noch mehr als in Rhodos darauf bedacht sein
musste, meine Zeit lediglich für mein specielles Vorhaben zu con-
centrieren, ergab sich mir doch wider Erwarten ein nicht uninter-
essanter Fund. Der griechische Primat des Ortes, Diakon D.
Adelphiu, dessen Gastfreundschaft und Führung ich durch Em-
pfehlung des Consuls genoss, führte mich beim Aufstieg zum Castell
am inneren (westlichen) Abhang der Akropolis zu einer Stelle, wo
in den natürlichen, ungeglätteten Fels mit grossen, durch Verwit-
terung schwer lesbaren Buchstaben eine längere Inschrift einge-
liauen war. Obwohl ich nicht eigentlicli voraussetzen durfte, dass
dieselbe der Aufmerksamkeit der früheren Reisenden entgangen sein
sollte, entschloss ich mich, da ich ohne Excerpte nicht in der Lage
war, mich an Ort und Stelle darüber zu unterrichten, die Inschrift so
rasch es gieng abzuschreiben. Die Lesung war wegen der vielen
die Schrift durchziehenden Risse des Felsens schwierig; namentlich
für die beiden obersten von meinem Auge entferntesten Zeilen Hess
sie sich nicht mit Sicherheit gewinnen, auch bot der knappe Raum
keinen günstigen Standplatz für die am rechten Ende befindlichen
Schrifttheile, die wegen der Krümmung des Felsens nur von der Seite,
sonach in starker Verkürzung zu sehen waren. Die Abschrift, wie
sie hiebei zu Stande kam, folgt hier ohne irgendwelche Verände-
rung*) (n. 55):

*) Mit meiner Copie konnte ich auf dem Rückwege von Limlos in Massari
die des dortigen Lehrers Simon Georgiadi vergleichen, der, selbst aus Lindos
gebürtig, in früheren Jahren eine Anzahl der dortigen Inschriften abgeschrieben
hatte, und der, wovon ich mich an den mir geläufigen Künstlerinschriften verge-
wisserte, als scharf sehender und unbefangener, wenn auch epigraphisch ungeschulter
Copist gelten darf. Die Abweichungen seiner Lesung von der meinigen sind:

Z. 1: KAIOCA '.* PYNO'NHE
Z. 2: OYPANIOINNAKPIE
Z. 4: nAHCAMENH
Z. 6 : AEPKOMENA'E
Z. 8: NEIMAMENOE
Z. 10: THNIEPHN

Endlich konnte ich später in eine Abschrift des Herrn E. Hiliotti Einsicht
nehmen, die allerdings vielfach unrichtig ist; dieselbe gibt die beiden ersten Zeilen so :
EYAYMENAPXAIHBA1NAOYKAIOEAPYNOINH . . .
AEHAMENIIXOXGOIXOYI'ANIOINNAKPIHE
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