Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Inschriften aus Gjölbascki

Herr Graf Carl Lanckoro nski, welcher in Gesellschaft
Dr. von Luschan's seit September v. J. Kleinasien bereist, ver-
anlasste im Anschlüsse an die Arbeiten der vorjährigen österrei-
chischen Expedition eine neue Ausgrabung in Gjölbaschi, mit deren
Leitung er Herrn Eduard Gollob aus Graz betraute. Derselbe be-
richtet über die Ergebnisse dieser Untersuchungen, wie folgt:

„Am 24. November 1882 begab ich mich in Begleitung meines
grössten Wohlthäters, Herrn Grafen Lanckoronski, dem ich an
dieser Stelle nochmals meinen innigsten Dank aussprechen darf,
sowie des Herrn Dr. Felix Ritter von L u s c h an , über Pyrgi nach
Dembre. Nach dreitägigem Aufenthalte daselbst, den wir zur nähe-
ren Besichtigung von Myra, Sura und Andraki benutzten, zogen
wir zunächst durch's Dembrethal und dann auf der vom Herrn In-
genieur KnafFl grossartig angelegten Strasse den wild zerklüfteten
Felsberg zwei Stunden aufwärts an meinen Bestimmungsort Gj ö 1-
baschi, dessen landschaftliche Reize alle Beschwerden des Auf-
stieges sofort vergessen machten. Wir fanden hier in der von der
Expedition noch vorhandenen Bretterbarake nothdürftige Unter-
kunft, und nachdem durch einen aus Kasch herbeigeholten Zaptieh
Schwierigkeiten mit dem türkischen Nachbar gelöst worden waren,
verliessen mich am 3. December Herr Graf Lanckoronski und Dr.
von Luschan, wonach ich sofort daran gieng, in dem dorischen
Tempel westlich von dem seines Bretterdaches beraubten Arbeiter-
hause nach Inschriften zu suchen."

„Dem mir ertheilten Auftrage gemäss begann ich damit, den
Innenraum der Gella noch weiter als dies bereits früher geschehen
war, freizulegen und stiess nach Entfernung der Schichten kleiner
rundlicher Steine, welche offenbar bei der Grundlegung des Tempels
zur Nivellierung des Fundaments verwendet wurden, und unter
welchen ein Bronzestück, einer Messerklinge ähnlich, sich vorfand,
in der Tiefe von l-40 Meter auf den natürlichen Felsen; nur auf
der Ostseite der Cella wurde der hier in Form einer Stufe zuge-
hauene Felsgrund bereits in der Tiefe von O60 Meter erreicht. In
einem mit Schutt gefüllten, viereckig (5-95 M. X 4*15 M.) abge-
grenzten Raum der Südwest-Ecke kam eine byzantinische Münze
zum Vorschein."
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