Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Griechische Inschriften von Physkos

Ein kurzer Aufenthalt in Marmaritza, dem alten Physkos,
Rhodos nördlich gegenüber, veranlasst durch das Bedürfniss unseres
Schiffes nach gutem Wasser, ermöglichte mir Anfang Juni v. J. die
kleine heutige Stadt, die sich auf einem Vorsprunge der herrlichen
Bucht malerisch aufbaut, und namentlich die Mauern ihrer einstigen
Festung auf Alterthümer zu untersuchen. Wider Erwarten blieb
alles Suchen und Nachfragen erfolglos, wie auch Newton bei einem
früheren Besuch des Platzes sich getäuscht fand. Eine Inschrift
jedoch gelang es mir zu entdecken, welche nicht blos als die meines
Wissens erste des Ortes, sondern ihres Alters und Inhaltes wegen
Interesse besitzt. Sie steht auf einem Quader aus röthlichem Stein,
der in einem Thurme der Festung in der Mitte der Stadt sehr hoch
eingemauert ist, verwittert und schwer lesbar. Die Buchstaben sind
breit und sorgfältig eingehauen, wie auch die Disposition der Schrift
Sorgfalt verräth, und durchgängig alterthümlich in der Form. Was
ich erkennen konnte und ein genommener Abklatsch bestätigt, be-
schränkt sich auf Folgendes:

V l*TO% EPlXAp/\0£
A IXAPIOXPAIAES
AA T O I

Das Monument, welches vier Söhne eines Anticharis (?) der
Leto geweiht hatten, stand also wahrscheinlich in dem von Strabon
p. 652 erwähnten Hauptheiligthum der Stadt: eEfjs oe 0uo~kos tto-
Xixvn, Xmevct äxovaa, Kai ä\aog AnTwov*).

*) An einer andern spätem Stelle (p. 659) steht Physkos irrthümlich im
Text des Strabon. Nach einer Periegese der Küstenorte Kadens von Daidala an
in der Peraia der Rhodier bis herauf nach Jasos und dem Poseidion der Milesier
wendet sich der Geograph zur Besprechung der drei Hauptstädte im Innern von
Karien: Mylasa, Stratonikeia und Alabanda. Hier schliesst der rein geographische
Thcil der Notizen, die er über Mylasa beibringt, mit den Worten: irXr)aidZei b£
MÜXiOTa Tf) kcxtu Oüökov GuXuttii i1) uöXtc;, Kai toüt' fa-riv aurol^ £iriveiov.

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