Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Epigraphische Mittheilungen

1. Inschriften aus Bosnien

Herrn Victor Baron Handel, k. k. Hauptmann im 12.
Infanterie-Regiment, über dessen erfolgreiche Forschungen in Go-
lubiö in der Nähe von Bihaö kürzlich W. Tomaschek „zur Kunde
der Hämus-Halbinsel" (Sitzungsberichte der Wiener Akademie XCIX
B. 2 S. 466 ff.) eingehenden Bericht erstattet hat*), verdanken wir
nebst anderen Angaben über einen merkwürdigen mittelalterlichen
Sarkophag, der in den Mittheilungen der Centralcommission publi-
cirt werden soll, folgende epigraphische Mittheilung:

In der Nähe von Kiseljak, nach dem Einfluss der Fojnicka
Rjeka in die Lepenica, am linken Ufer der letzteren, auf einem
sehr steilen Felskegel, genannt Crkvice = Kirchenstätte, der gegen
Norden eine Abfallterrasse hat, fand Sanitäts - Oberlieutenant Du-
miöiö unter einer Menge behauener Steine und Platten, welche der-
selbe noch ausheben lassen wird, folgenden Grabcippus (lang 1"70,
breit 062; Schriftfeld hoch 0*61, breit Ool, Buchstabenhöhe 0-55),
den ich nach meiner (Handel's) Lesung mittheile:

Patera im Giebelfeld, darunter in dem eingerahmten Schriftfeld:
C ■ MANLIVS

C L
HONESIMVS
ANN/i//

In Diviak im Lasva-Thale, südlich von Travnik, fand ich im
Hause Nr. 1 des Lovro Petrovich einen Inschriftstein an der Ost-
seite der Mauer eingemauert, der nach Aussage des Besitzers auf
der nordwestlich vorgelagerten Höhe an dem der Lasva zugekehrten

*) lieber dieselben sehreibt mir Baron Handel Folgendes: „Die Steine
übergab ich bei meinem Abmarsch (18. September 1881) im Lager Franzensstadt
dem Herrn Oberstlieutenant Elison vom 46. Regiment, der sich sehr für die Sache
interessirte; leider wurde derselbe im Mai 1882 pensionirt und lebt jetzt in Carl-
stadt. Die Steine dürften wohl noch im Lager liegen, leider ohne Obhut. Ich
glaube, die Ueberführuug des Mithras-Steines in das Museum nach Wien dürfte
nicht mit zu grossen Kosten verbunden sein." — Wie wir hören sind bereits
Schritte gethan worden, um die Erwerbung dieses interessanten Denkmals für die
kaiserliche Sammlung zu sichern.
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