Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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dem völligen Mangel eines ethischen Motives nimmermehr zum
Sehmucke eines sepulcralen Monumentes geeignet war, und gegen-
über jener andern, oben erörterten Version, die geradezu zum Ge-
meinplatz für kindliche Liebe und Zufriedenheit mit dem Tode
geworden ist, für unser Sarkophagrelief nicht in Betracht kommen
kann.

n.

Freilich hat man, entgegen den ältesten Herausgebern des
Reliefs30), auch bei dieser Darstellung die Beziehung auf Kleobis
und Biton in neuester Zeit in Abrede stellen wollen31) und dafür
eine rein symbolische Deutung in Vorschlag gebracht, die in ihrer
frostigen dogmatischen Abstraction unter allen antiken Sarkophag-
reliefs einzig dastehen würde 3"); und wenn auch später dieser, nicht
einmal auf Autopsie des Originals beruhenden Deutung Krügers
von Valentinelli widersprochen worden ist33), so hat doch dieser
Versuch weder allgemeine Anerkennung gefunden, noch ist er über'
haupt von Fehlern und Unsicherheiten freizusprechen. Ein neuer
Erklärungsversuch des auch sonst oft erwähnten Reliefs, das ein-
gestandenermassen der Deutung nicht unbeträchtliche Schwierig-
keiten in den Weg legt34), dürfte daher wohl am Platze sein. Einer
ausführlichen Analyse des Reliefs halte ich mich nach meiner früher
gegebenen Beschreibung35) für überhoben, dagegen muss ich mit
wenigen Worten noch einmal auf den äusseren Zustand des Reliefs
zurückkommen, weil die Krüger'sche Deutung zum Theil auf einer
falschen Voraussetzung von dessen äusserem Zustande beruht.
Krüger behauptete nämlich3"), als seien die in der Mitte des Bildes
dargestellten Knaben nicht als liegend, sondern schwebend aufzu-
fassen, und dieser Umstand werde nur durch die Ergänzung des
unteren Streifens des Reliefs verdunkelt. Zwar wurde dieser Be-

30) Beger Spicilegium ant. p. 146. 149; Montfaucon Ant. expl. I, 24.
") So Krüger in der Arch. Zeit. 1861 Nr. 151—153 und XXI p. 20 ff.
3S) Unbegreiflich, wie ihr O. Jahn B. d. S. G. d. W. 1868, 226, 220, freilich
nur in einer ganz beiläufigen Bemerkung, zustimmen konnte.

33) Vgl. I marmi scolp. zu Taf. XLVII.

34) Auch Männer wie Otfr. Müller (Handb. d. Arch. §. 419, 4), Welcker
(Neuester Zuwachs des akad. Kunstmus. zu Bonn, p. 22) und Gerhard (Arch. Zeit.
1861, Nr. 151 —153) scheinen an einer befriedigenden Erklärung des Reliefs ver-
zweifelt zu haben.

35) Ant. Bildw. in Oberitalien V, 292.

36) a. O. p. 26.
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