Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 160
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1883/0170
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
160

hauptung sofort von Ed. Gerhard und dem Architekten Bergau,
der das Original selbst kannte, widersprochen, und es wird jedem
einleuchten, dass durch eine solche Lage des Körpers über dem
unteren Rande eines Bildes wohl Liegen, nicht aber Schweben dar-
gestellt sein könne; aber es will mich heute, wo mir eine vortreff-
liche, grosse Originalphotographie vorliegt, bedünken, als sei über-
haupt der untere Horizontalstreifen, den ich früher für ergänzt hielt,
wirklich antik und zugehörig. Jedesfalls verdient Beachtung, dass
dieses ganze Stück, wenn es wirklich modern wäre, an einigen
Stellen37) von neuem ergänzt sein müsste, während es andererseits
nicht unbeträchtliche Beschädigungen aufweist 38). Da nun aber
die beiden von einander abhängigen älteren Herausgeber des Re-
liefs39) in ihren Abbildungen den oberen wie den unteren Horizontal-
streifen überhaupt fortlassen, so ist wohl die Annahme nicht zurück-
zuweisen, dass der zur Zeit des St. V. Pighius noch fehlende untere
Streifen sich erst später nachgefunden hat. Ist somit an der Echt-
heit der Darstellung in allem Wesentlichen nicht zu zweifeln, so
schwindet auch der letzte Grund für die Kriiger'sche Annahme, als
handle es sich um schwebende, nicht liegende Knaben in der Mitte
des Bildes, und damit ist seiner Deutung schon eine Stütze ent-
zogen; sie ist aber völlig hinfällig, weil sie auf ganz ungenauer
Kenntniss des Originals beruhte und über das Verhältniss der dar-
gestellten Personen zu einander sich keine Rechenschaft geben
konnte. Diese Unsicherheit theilt sie freilich auch mit den anderen
Erklärungsversuchen. Jenes Herumrathen aber bei der Fackel-

") Diese Stellen wären: Gesicht des einen, Nase und Mund des andern der
liegenden Knaben nebst ihren Armen, Unterschenkel und Füsse des kleineren, die
Rosse zügelnden, und der r. Unterschenkel des kleineren, von der Sitzenden r.
empfangenen Knabens; ausserdem die Hufe der vier Pferdehinterbeine.

") Der ganze untere Horizontaistieifen ist in der Mitte senkrecht durch-
gebrochen, das r. Vorderbein des Kindes abgebrochen, und auf der r. Seite schliesst
das Stück nicht genau an den mittleren Theil des Reliefs, so dass die Fuge, wie
auf der Photographie deutlich zu erkennen, hat verschmiert werden müssen. Konnte
ein moderner Ergänzer nicht alle diese Mängel beseitigen?

39) Das Relief wurde zuerst von St. V. Pighius (vgl. O. Jahn B. d. S. 6.
d. W. 1868, 226, 220) f. 315 in vier willkürlich abgesonderten Stücken gezeichnet
und ging so in die Abbildung bei Beger (Spicil. ant. p. 146, 149), jedoch hier nur
in drei Gruppen zerlegt, und Montfaucon (Ant. expl. I, PI. 24 zu p. 69) über. Die
ebenso wenig genügenden Abbildungen des Reliefs bei Valentinelli / marmi scol-
pili etc. Tav. XLVII, und in der Arch. Zeit. XXI, 172, 1 gehen auf besonders an-
gefertigte Zeichnungen zurück.
loading ...