Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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beiden Schlangen aus römischen Bildwerken als Abbilder der Dii
Manes und als „umbrarum jumuli"M) bekannt genug sind™). Auch
die Darstellung eines diesen Manen dargebrachten Todtenopfers ist
nicht ohne Beispiel auf einem römischen Sepulcralmonumente54).

Hat aber der Künstler dem Heiligthume, in dessen Nähe
Kleobis und Biton ihren Tod fanden, durch den allgemeinen Cha-
rakter der Anlage, der in dem römischen Beschauer die Erinnerung
an eine Grabaedicula wachrief, wie durch den besonderen Schmuck
und die Darstellung der Dii Manes eine bestimmte Beziehung auf
den Tod geben wollen, so ist es klar, dass damit in sinniger Weise
der Schlaf der beiden Knaben als Todesschlaf hat angedeutet werden
sollen. Aber auch der Gestus der Andacht selbst, mit dem die
Priesterin ihrer Göttin naht, hat durch die beiden Fackeln eine
individuelle Beziehung erhalten. Denn nicht jede Gottheit verlangt
Fackeln in ihrem Cultus. Nach der Sage müsste die Andacht
Kydippes dem alten Agalma der Argivischen Hera geweiht sein,
und da ist es denn als ein neuer Beweis für die Richtigkeit unserer
Deutung anzusehen, dass gerade die Argivische Hera, die bekannt-
lich besonders unter dem Namen einer EiXeiöuia verehrt worden
ist:,r'), nicht nur als solche überhaupt in die Reihe der Lichtgötter
einrückt — denn „EiXeiöuia effTiv n, ig cpuig afoucra rovg TraTbag"5G),

stein in Catajo (V, 788). Eine gleiche Darstellung auf einer etniskischen Aschen-
kiste befindet sich in Florenz (II, 432) und griechisch ist dieselbe Darstellung auf
einem Sarkophagrelief in Venedig (V, 378). Sämratliche erwähnten römischen Bild-
werke sind gewiss nicht vor der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts ent-
standen. Zur Charakteristik der Localität ist mannigfache Symbolik verwandt:
trauernde Eroten, ein aus der Thür tretender Hermes Psychopompos, aufgehangene
Kränze, herantretende Camilli mit Opfergeräth; vor der Etniskischen Hadesthür
ein abschiednehmendes Ehepaar; die griechische Hadesthür ist dicht mit Nägeln
beschlagen, um die Festigkeit der „ehernen" Pforten anzudeuten.

") Vgl. Valerius Flaccus Argon. III, 456 ff. und Vergils Aeneis V, 84 ff.
hier erscheint der Genius des verstorbenen Anchises in Schlangengestalt, um das
dargebotene Opfer zu gemessen.

53) Vgl. Gerhard Ges. Ak. Abh. II, 42, A. 21, und 5G, A. 81.

5I) Bei Fabretti Inscr. (Rom, 1702) p. 2S1 findet sich ein römischer Grab-
stein des A. Herennuleius Hermes, dessen Abbildung folgendermassen beschrieben
wird: „vir in media inscriptione libamen ex patera effundens et gemini ad utrumgue
latus serpentes cristati et ereeli, ovum ore apprehendentes'1.

55) So nach Hesychius. Vgl. Gerhard Gr. Myth. 221, 3; Welcker Gr. Götter-
lehre I, 372 und Kleine Sehr. III, 199 f.; Härtung Eel. u. Myth. d. Gr. III, 91;
Preller Gr. Myth. 2 I, 135; Overbeck K. M. Hera, 19 f. u. 153 ff.; Koscher Stud,
z. vergl. Myth. II, 55 f.

s") Pausanias VII, 23, 6,
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