Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 191
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stattete nur die dort angestellte ungefähre Berechnung, die aber
mit unserer Ziffer ziemlich zusammentrifft: nämlich dass durch-
schnittlich 20 Mann aus der einfachen, 40 also aus der ersten
Doppelcohorte, demnach aus der ganzen Legion etwa 220 Mann zur
Verabschiedung gelangt sind. Eine Schwierigkeit entsteht hiedurch
freilich insofern, als in der anscheinend vollständigen 3. Cohorte nur
10 Namen verzeichnet sind; doch ist die Möglichkeit nicht unbedingt
ausgeschlossen, dass eine zweite Namenreihe dazu gehört hat und
auf jeden Fall kann durch Zufälligkeit die Zahl der Veteranen für
diese Cohorte unter dem Durchschnitt geblieben sein.

Von weit grösserer Bedeutung ist die Frage, ob diese Ziffer
nach den allgemein gültigen Invaliditäts- und Mortalitätsverhältnissen
zu der im Allgemeinen bekannten Kopfzahl- und Dienstjahrordnung
der Legion stimmt. Nicht im Stande, selber diese schwierige Frage
auch nur annähernd zu erledigen, habe ich die Hülfe meines ver-
ehrten Collegen Hrn. R. Böckh nicht umsonst in Anspruch ge-
nommen. Ich freue mich, auf seine sichere Hand gestützt, diese
Frage insofern bejahen zu können, als zwar bei den zahlreichen
Unsicherheiten, die hier theils für die Zahlansetzungen, theils
für die statistisch in Betracht kommenden Regeln obwalten, ein
präcises Ergebniss unmöglich gefunden werden kann, aber bei einem
Truppenkörper von 5000 Mann (höher glaube ich den durchschnitt-
lichen Effectivstand der Legion nicht ansetzen zu dürfen) und bei
25-, resp. 26jähriger Dienstzeit die Gesammtzahl der nach deren
Ablauf zur Entlassung gelangenden beiden ältesten Jahrgänge sich
recht wohl auf etwa 240 Mann gestellt haben kann. Ich lege im
Folgenden seine Auseinandersetzung mit seinen eigenen Worten vor

„Um aus der Thatsache, dass die beiden entlassenen ältesten
Jahrgänge 2o9 Mann zählten, auf die Höhe der Einstellung zu
schliessen, scheint mir die Grösse der Legion selbst, welche nach
Ihrer gefälligen Mitiheilung 5000 Mann beträgt, relativ noch den
besten Anhalt zu geben. Das Mortalitätsverhältniss, das wir übri-
gens auch nur für moderne Verhältnisse kennen und welches selbst
in diesen bei den verschiedenen Armeen sehr abweichend ist, ent-
hält nur den einen Factor der Verminderung; es kommen ausser-
dem die Entlassungen wegen eingetretener Kriegsuntüchtigkeit hin-
zu, für welche selbst vorliegende Nachrichten aus unserem Jahr-
hundert kaum irgend einen Anhalt geben dürften. Lege ich nun
zu Grunde, dass das Verhältniss der beiden Jahrgänge zu 5000
die Wirkung der ohne Krieg eintretenden 25-, bez. 26jährigen Ab-
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