Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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liessen, waren mehrere Jahre vorher in den Besitz des Herrn Prä-
sidenten Sölyom - Fekete in Deva gelangt und ähnlich mag noch
manches Bruchstück in . der Umgegend verstreut sein. Während
der Kaufverhandlungen, die der Devaer Verein mit dem walachi-
schen Grundherrn nach den Ausgrabungen führte, erwarb Herr Dr.
Julius Niamessny zwei vollständige Relieftafeln für das Temesvärer
Museum (Torma a. a. 0. S. 144). Alle Nummern, bei denen kein
anderer Aufbewahrungsort angegeben ist, finden sich im Devaer
Museum.

Das Material der Mithraeen ist weisser Marmor von sehr ver-
schiedener Structur und Farbe; nach Aussage des Mineralogen
Herrn Directors Te'ghis in Deva, sollen diese Unterschiede jedoch für
eine Herkunft aus verschiedenen Brüchen nicht beweisend sein.

Die Mithraeen sind gewöhnlich rechteckige, seltener trapez-
förmige und oben abgerundete Flachrelieftafeln, eingefasst (und ge-
gliedert) von schmalen, ungleichmässig behandelten Leisten, an der
gewöhnlich breiteren Fussleiste häufig mit Weihinschrift versehen.
Vereinzelt kommen andere Formen vor: Rechteck mit spitzem
Griebel, Kreis oder Kreisabschnitt. Wenige sind in Hochrelief ge-
arbeitet. Eine interessante Gruppe bilden die ä jour oder ganz
statuarisch gebildeten Gruppen.

Die Arbeit ist fast durchweg roh und ungeschickt und auch
da, wo sie flotter erscheint, doch nur, wie auf den 'tabulae Riacae,
eine schematische Bilderschrift, die sich begnügt, die sachlichen
Motive mehr anzudeuten als auszuführen. Sorgfältige oder wenn
auch nur nach spätrömischen Begriffen künstlerische Arbeit ist
kaum vertreten. Bei vielen Stücken mit gut erhaltener Oberfläche
sind zahlreiche Spuren rother Bemalung, besonders an den Gewän-
dern, erhalten.

Das Hauptbild sämmtlicher Mithraeen ist das sogenannte Stier-
opfer in dem bekannten, einem schönen Motiv altgriechischer Kunst
nachgebildeten*) Typus. Ein Jüngling, bekleidet mit bis an die
Knie reichendem, ein oder zwei Mal gegürtetem, ärmellosen oder
mit enganliegenden Aermeln versehenen Chiton und zurückflat-
ternder, auf der r. Schulter genestelter Chlamys, die phrygische
Mütze auf dem lockigen Kopfe und Halbstiefel oder Schuhe an
den Füssen, also in der asiatischen Tracht in ihrer griechischen

*) Kekule, Balustrade des Tempels der Athen» Nike 2. Aufl. S. 11, 27.

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