Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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gehöriges Thier ist der Rabe, mehr oder weniger deutlich charak-
terisiert, meist am Oberrand der flatternden Chlamys angebracht,
nach rechts gegen das Gesicht des Mithras gewendet (ihn bedro-
hend?).

Beiderseits von der Hauptgruppe stehen in ruhiger correspon-
dierender Stellung — der zur Linken den linken , der andere den
rechten Fuss überschlagend — zwei Knaben, viel kleiner als die
Hauptfigur, sonst aber von übereinstimmendem Habitus, je zwei,
seltener je eine Fackel haltend. Der zur L. (A) senkt die eine
Fackel stets gegen Fuss oder Bein, man weiss nicht, ob des Stiers
oder seines Bedrängers*), während die L. manch Mal den Stier
am Schwänze zieht, wie um ihn zum Aufstehen zu bringen. Hält
er zwei Fackeln, so ist diejenige der linken Hand gegen die Haupt-
gruppe, die zweite in der Regel senkrecht zu Boden gerichtet. Der
Knabe zur R. (B) hebt die eine Fackel, mit der R. gegen die Stier-
schnauze oder noch höher empor, die zweite ruht aufrecht im linken
Arm. Der Kaum ist nur selten deutlich als Grotte bezeichnet, da-
gegen umschliesst mehrmals ein stilisierter Lorbeerkranz die Dar-
stellung, was, soviel ich sehe, eine dacische (und pannonische)
Besonderheit ist. In der oberen Ecke links hat die lockige Pro-
tome des Sol, in der rechten die der Luna ihren ständigen Platz,
beide mit bekleidetem Bruststück, letztere oft durch Stephane und
hinter ihren Schultern hervorkommende wagrechte Mondsichel, ersterer
seltener durch den Strahlenkranz charakterisiert.

Ausschliesslich auf dieses Hauptbild beschränken sich die
nächstfolgenden Stücke.

1. Hochrelief mit zwei zugehörigen Rundfiguren,
vielleicht das Tempelbild (vergl. jedoch Nr. 63), abgebildet auf
Taf. V, aus gutem gelblichem Marmor, von gewandter decorativer
Arbeit, besonders in den Gewändern, die Oberfläche bis auf einige
Risse wohl erhalten.

a) Die Reliefplatte, H. 0-93, B. 1-29, D. an der Basis 031,
höchstes Relief cc. 0'19. Die Basisleiste ist beiderseits erhalten,
nur 1. etwas bestossen , ebenso Skorpion und Schlangenkopf. Der
Stier sträubt sich heftig mit dem 1. nicht eingeknickten Vorderbein
und dem sichtbaren 1. Hinterbein, was auf dacischen Mithraeen

*) Letzterer Fall gäbe einen Grund für die oben besprochene Kopfhaltung
der Hauptfigur. Dafür spricht besonders Lajard PI. XGII1. 1, entschieden dagegen
nur PI. LXXXIII, eine sehr sonderbare Darstellung.
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