Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

Seite: 219
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Baumstamm, in der Giebelmitte, die Aedicula, aus der nach r. der
Vordertheil eines plumpen Thiers, eher Stier als Steinbock, hervor-
sprengt. Neben ihr, hinaufgerückt, in sehr verkümmertem Nachen
der Stier, linkshin mit eingeknicktem Vorderbein hockend, darunter
nach r. Vordertheil eines bärtigen Bocks, in der Giebelecke Luna.

38. Acht Bruchstücke eines ungefähr 0 70 h., O60 b., O027—
0'04 d. Mithraeums. dessen im Obertheil ä jour gearbeitetes Haupt-
bild rings von einem rechteckigen Reliefrahmen umfasst war. Vom
etwa 016 (mit den Leisten) h. Oberstreif ergeben vier zusammen-
gehörige Bruchstücke etwa drei Viertel der Breite. Die Mitte wird
die nacli 1. geneigte Aedicula eingenommen haben, aus der der
Stier, hier ganz deutlich, en face hervorsprengt, 1. von ihr der Knieende
und der Bogenschütz, dessen Schulter keine Spur eines Anfassen-
den zeigt. Die abgesplitterte Stelle über dem Knieenden lässt den
Stier im Nachen vermuthen. An einen Bruch der Leiste unter ihm
passt genau der rundgearbeitete Kopf des Stiertöters, weiter r.
haftet die Flamme der Fackel, welche B erhebt (vgl. 25). An der
r. Seitenwand der Aedicula lehnt der schlafende zeusähnliche Mann
(vgl. Nr. 27), das Haupt auf die r. Schulter gesenkt, über das viel-
leicht die L. gelegt war, während die R., ein Horn (?) haltend, im
Schoosse ruht. Dicht an ihn sprengt das Gespann Luna's heran
wohl zwei Stiere (die Köpfe fehlen), wie auf dem Karlsburger Re-
lief*). Zwei Hinterfüsse und das sechsspeichige Rad finden sich
an schräg aufsteigender Leiste auf einem nicht anpassenden Bruch-
stück, dem Obertheil des 0 115 b. r. Seiten Streifens, über der
Felsgeburt. Darunter wird der Löwe Platz gefunden haben. Zwei
weitere Fragmente geben fast den ganzen ebenso breiten 1. Seiten-
streif und etwa '/., vom 0'16 h. Unterstreif. In ersterem oben der
Stierreiter, vom Stierkopf aus diagonal weggebrochen, darunter,
durch Leiste gesondert, der Stiertragende, beide nach r. An der
Seitenleiste haftet unten der r. Fuss der Hauptfigur mit dem Stier-
hinterfuss , oben der Rand ihrer Chlamys. Für A demnach kein

*) Lajard XCVI. 2, wo übrigens das peitschenartige Attribut durch Ver-
seilen aus einem gewöhnlichen Peduin geworden ist. Im Unterstreif ist das, was
die Abbildung als r. Arm des phrygisch Bekleideten gibt, dessen Chlainys, während
die R. vor der Brust einen kurzen Dolch aufwärts hält. Auf dem ebenda 1 abge-
bildeten Varhelyer Relief ist. die 'femme nue, ayant un casque sur la tcte (Lajard,
Mdmoire p. 60) natürlich der Felsgeborene, wie schon Majonica sah, Mitth. II,
S. 43 g.; die r. Hand mit der Fackel wegen Raummangels auf der Trennungsleiste
ausgestreckt.

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