Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 7.1883

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Von den Gewichten sind drei Stücke zum Theil zerstört,
und ist das Blei, mit welchem die Bronzehülse ausgegossen war,
in dem Schmelzfeuer, welchem sie der Messner aussetzte, zerflossen.

Die grössten Gewichtsstücke haben die Form der tesserae, wie
solche auch die Sammlungen des k. k. Antikencabinets aufweisen.
Sie zeigen Spuren von mit Laubornament gezierten Randleisten.
Innerhalb des Rahmens der grösseren finden sich Vertiefungen,
welche nach den Umrissen schliessen lassen, dass daselbst das Bild
eines Mannes und einer Frau (Kaiserbilder) in Silber eingelegt
waren. — Die kleineren Gewichtsstücke stellen sich als breite
Kugelzonen dar, die auf einer horizontalen Schnittfläche die silber-
tauschirte Marke tragen.

Die vom Custos Deschmann vorgenommenen höchst ge-
nauen Wägungen ergaben: für das kleinste Gewicht, ohne Signatur,
23-57 Gramm; für das nächstgrössere, v1)]}, 47-33 Gr.; für das
dritte, $r, 72-24 Gr.; für das vierte, 105-35 Gr. Die zwei

der Grösse nach als fünftes und sechstes einzureihenden Stücke
haben so viel Blei durch die Schmelzprobe verloren, dass von ihrer
Wägung abgesehen wurde.

Die beiden tesserae, von denen die eine mit der Bezeichnung
r°S2) dem Gewichte nach als die Hälfte der Grösseren erscheint,
wiegen 155-2 Gr. und 3l7-7 Gr., so dass wir in ihnen die Gewichts-
stücke für ein römisches Halb- und Vollpfund erkennen dürfen.
Dies um so mehr, als das Gewicht der grösseren tessera, trotz des
Gewichtsverlustes, den sie durch Ausfall der Tauschirung und die
Feile des Finders erlitten hat, dem muthmasslichen Gewichte des
römischen Vollpfundes, soweit es Cagnazzi ermittelt hat (vgl. Hultsch
Metrologie S. 157), d. i. 325'8 Gramm ausserordentlich nahe kommt.

*) Offenbar Ligatur von ou (= oirfKia). Die eigenthümliche Form ist auf*
fällig, da sonst r, Co die gebräuchlichsten Zeichen für uncia sind (Hultsch Kel.
Script, metr. I praef. p. VI). Sie ist auch zu sehen auf einzelnen Gewichtsstücken
bei Gruter S. 221 u. f. und Böckh Metrol. Unters. S. 171 u. 175.

J) Böckh a. a. O. liest das Zeichen für „unciae sexu. — Bemerkt mag werden,
dass das o nach dem r nicht eingelegt, sondern sowie der Randleisten eingegraben
ist, während die beiden Buchstaben breit tauschirt sind.

Laibach, September 1883 BINDER
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