Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

Seite: 60
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1884/0066
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
60

1. Schulter herübergezogen und hängt, wahrscheinlich um den Arm
geschlungen oder von der Hand gefasst, bis zum Knie herab1).
Der Kopf dürfte den Helm getragen haben; denn eine flache, mitten
etwas eingetiefte Erhebung im Nacken kann wohl nur von der
Crista herrühren. Ihr schräger Schnitt scheint auf Linkswendung
des Kopfes zu weisen. Die Figur hatte 1. Standbein, der r. Fuss
trat etwas zurück. Die erhobene Rechte muss den schmalen faltigen
Streifen gefasst haben, welcher, beiderseits gebrochen, sich nach oben
verengt. Zum Mantel, von dem auf der oberflächlich angelegten
Rückseite gar nichts sichtbar ist, kann er unmöglich gehört haben.
Am ehesten möchte man darin den Rest einer Schärpe oder eines
Schwertbandes erkennen, das der Mann anzulegen im Begriffe stand,
wozu freilich die Armhaltung nicht sonderlich passt. Von dieser
Art scheint, nach den oft in Schleifen verschlungenen Enden zu
urtheilen, das sogenannte Cinctorium gewesen zu sein, wie es die
meisten Panzerstatuen oberhalb der Hüften tragen").

Der Panzer zeigt manche Eigentümlichkeit. Ungewöhnlich
ist, so viel ich sehe, die Form der Achselklappe, zwei durch kurzen
Steg verbundene schmale Riemen; ferner die viereckige Brustplatte,
die, vom Halsrand ausgehend und auf den drei anderen Seiten
ausgefalzt, mit den Ecken bis gegen die Brustwarzen reicht; end-
lich der breite Gurt unter der Brust oder die zwei parallelen halb-
runden Wülste, die einen solchen zu bilden scheinen. Vielleicht
sind sie jedoch nur angebracht, um den Hautrelieffiguren als Basen
zu dienen.

Zwischen zwei auf dem unteren Wulst einander entgegen
schreitenden, an Nacken, Hufen und Geschlechtstheilen deutlich
charakterisierten Stieren, deren abgeschlagene Köpfe wahrschein-
lich en face gekehrt waren, steht auf dem oberen, aus Nachlässig-
keit statt in der Mitte mehr gegen die 1. Brust hin, ein steifes,
nach der Bildung der gewandbedeckten Brust zu schliessen männ-
liches Idol. Der Kopf ist leider völlig abgeschlagen. Leib und
Beine, nach Art der ephesischen Artemis und des Zeus von La-
brancia'') in abwärts verjüngter Säulenform gebildet, werden um-

') Vergi /.. Ii. Clarac Man. de sculpt. III, 292, 2501; 314, 2449, 2500.

2) Vergl. A. Müller Das (Unguium müitiae, Programm des Gymnas. zu Plön,
1873, S. 19 ff.

3) Ch. Lenormant Nouv. <jall. mythul. pl. VIII, 11, p. 53; Gartlner The tyjjes
of Greek coius, pl. XV, 9; Archäol. Zeitung 1883, S. 284, 1. Vergl. noch eleu Apoll
von Amyklai Gardner, pl. XV, 28; die llekate von Hexmannstadt, Ii. V dieser
Mitth. Taf. 1.
loading ...