Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

Seite: 63
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Eine zweite symmetrische Gruppe ist in flachem Relief auf
dem Bauchfeld angebracht, dessen Umriss und Modellierung sie
sich recht glücklich anpasst. Zwei Victorien, deren gegürtete lange
Gewänder Arme und Schultern bloss lassen, treten mit den vor-
schreitenden Füssen nahe zusammen, während die Oberleiber aus-
einanderstreben, als wollten sie einander den von jeder mit beiden
Händen angefassten Kranz entwinden, welcher concentrisch den
Nabel umrahmt. Wahrscheinlich sind sie dabei in kreisender Tanz-
bewegung gedacht, worauf das Flattern der Gewänder hindeutet.
Prof. Benndorf erinnert mich an die von Welcker behandelten Reliefs,
auf denen zwei Satyrn in gleicher Haltung, ein Mal sicher Wein-
trauben austretend dargestellt sind 10). Ohne Zweifel ist das Schema
einem Knabenspiel entlehnt, wie es Zoega in der Umgebung Roms
sah und wie es auch von alten Schriftstellern beschrieben wird").
Auch dieser Theil der Panzerverzierung ist nicht ohne Interesse,
indem er uns eine hübsch erfundene Variierung der gewöhnlichen
Gruppe zweier Siegesgöttinnen kennen lehrt12).

Die Relief Verzierungen auf den Zacken des Panzerrandes sind
nicht alle kenntlich: an der r. Hüfte zunächst eine Pelta, weiter
rechts Etwas wie ein fliegender Vogel, endlich wohl ein krater-
artiges Gefäss; an der linken Hüfte ein Rundschild mit Umbo (?).

Wie die Augustusstatue des Braccio nuovo war auch die
unserige bemalt. Neben dem Attribut in der Rechten des Idols
und neben dessen Kopf haben sich Reste eines blau, auf dem einen
Stier und der r. Ecke der Brustplatte eines röthlich bemalten feinen
Stucküberzugs erhalten. Letztere Farbe könnte Untergrund für Ver-
goldung gewesen sein.

2441—2; 951, 2450; 954, 2448; 957, 24G3. Aehnlich wie hier das Idol zwischen
zwei Stieren erscheint auf unter Elagabal geprägten Münzen von Aradus eine Cy-
presse zwischen einem Stier und einem Löwen, Lajard üulte de Venus pl. III, 4;
Annali dell' Inst. 1847 tav. B, G, C, 1; Eckhel Doc.tr. num. III p. 394. Ein Altar
zwischen Juppitcr Dolichenus auf dem Stier und 'Aphrodite' auf dem Bock hei
Seidl, Dolichenuscult Taf. 3, 2.

'°) Welcker Alte Denkm. II, Taf. VI, 10, S. 113 ff. nach Zoega Bassirilievi
II tav. 87. Benndorf-Schöne, Lateran n. 310.

") Die Stellen hei Grasherger Erziehung und Unterricht, I S. 98 ff. (oieA-
KUöTivba).

1J) Ueher zwei Tropaion oder Candelaher bekränzende Victorien als Panzerzier
Einiges bei Hühner, Angustus, 28. Berl. Wimkelmannsprogramm 18G8, S. 11 f.,
Palladion bekränzende Ausgr. v. Olympia II Taf. 29.
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