Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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symbol der Gottheit sei von einer Stadt in die andere übertragen
worden, dürfte Manchem bedenklich bleiben, wenn man auch in der
grossen, vom Kaiser in Rom gefeierten Procession von einem Tempel
zum anderen (Anm. 16) die Erinnerung an eine solche Uebersiedelung
des Heiligthums vermuthen könnte. So ist es mindestens ganz un-
sicher, ob der axtschwingend zwischen zwei Stiervordertheilen auf
konischer Basis stehende Gott auf den Münzen von Gabala (Anm. 8)
Elagabal zu nennen sei.

Sind wir nun auch nicht im Stande, dem Typus des Heliopo-
itanus angenäherte epichorische Darstellungen des Gottes von Emisa
nachzuweisen, so gleicht doch sein hellenisiertes Bild auf einigen
— mir nur durch Beschreibungen bekannten — Münzen des Kaisers
wenigstens in einem Punkt dem Cultbild von Baalbek: ihr strahlen-
bekränzter, stehender oder schreitender Sonnengott, öfter durch die,
auch dem konischen Stein mehrere Male gegebene, Umschrift con-
servator. avgvsti unzweideutig als Elagabal bezeichnet, schwingt
mit der rechten Hand die Peitsche21). Demnach wird die Annahme
nicht unmöglich erscheinen, man habe in dem fernen Standlager
an der Reichsgrenze, als es galt, die — etwa anlässlich des vom
Kaiser geplanten Marcomannenfeldzugs (Lampridius c. 9) zu errich-
tende — Panzerstatue mit dem Bild seines Schutzgotts zu zieren,
zu der bekannten Gestalt des ihm nächst verwandten Juppiter
Heliopolitanus gegriffen, etwa um die decorativ schlechter ver-
wendbare, plumpe Form des heiligen Steines zu vermeiden. Viel-
leicht wird unsere Deutung des Bildes in der Erklärung des anderen,

Name, der noch heute als Dachebäl existiert und griechisch reßaXnvr|, seltener
TaßaXrivr] heisst (s. die Indices zu Lagarde, Onomaslica sacra). Wenn nun die
Griechen wirklich Gebal hörten, so ist die Form eine andere, als in Elagabal, denn
a wird nicht leicht durch e wiedergegeben, wohl aber i fast regelmässig durch e.
Immerhin wäre dieser lautliche Einwand nicht erheblich. Der Gott des Gebirgs-
landes Gebäl könnte ein naher Verwandter des Steinfetisches von Petra und des
schwarzen Steins von Mekka sein. Petra gehörte entweder noch zu dem Bezirk
Gebal oder lag hart an dessen Grenze.'

'.*) Cohen III1 p. 516, n. 9, ähnlich n. 38, 68, 81, 186—9. VII p. 232 n. 2.
Vielleicht lässt sich auch die Spur einer Verbindung des Stiers mit dem Elagabal-
cultus nachweisen. Auf einigen von den Münzen, die den Kaiser opfernd zeigen
(vgl. S. 71) haftet an der 1. Seite des Altars ein Stierhaupt, aber zu hoch über dem
Boden, als dass es einem laureuu mort oder couchd angehören könnte, von dem die
Abbildung auch sonst nichts erkennen lässt; vergl. Cohen pl. XV, n. 201, im Text
noch n. 203, 208.
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