Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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mit dem es zusammengehört, eine Stütze finden, wenn auch diese
für sich betrachtet auch nicht ohne räthselhaften Rest bleibt.

II. Gewandstatue (Taf. I). H. 1-60 sammt der 0'12 - 14 h.
elliptischen Basis. Am unteren Saum des Obergewandes ist sie
entzweigebrochen. Kopf und Hals waren mittelst eines Dübels auf-
gesetzt. Die Rückseite ist in der oberen Hälfte abgespalten, sonst
roh angelegt, r. Arm und 1. Hand abgebrochen; letztere, den
Untertheil eines kleinen Kindes haltend, welcher von wenig ober-
halb des Nabels bis zum 1. Fussknöchel nur 017 h. ist, fand
sich dabei. Obwohl die Bruchränder nicht ganz scharf zusammen-
passen, ist die Zugehörigkeit durch die — allerdings etwas zu gross
gerathene — Kinderhand gesichert, die an der 1. Brust der Haupt-
figur haftet, nach dieser oder einem anderen Gegenstände greifend.
Der r. Arm der Statue muss, nach den Spuren an der Hüfte und
Mantelborte zu schliessen, spitz gebogen und gegen das Kind ge-
richtet gewesen sein, jedoch nothwendig gewandverhüllt. Ganz
ungewöhnlich ist das Costum. Ueber einer Tunica, die in ihrem
unteren Theile knitterige feine Falten wirft, liegt beide Schultern
bedeckend ein grosses Obergewand, das eine breite Borte umsäumt:
sorgfältig in Relief ausgeführt beiderseits aus einer Wellenlinie
herauswachsende Spiralen. Wir haben ohne Zweifel an reiche
doppelseitige Stickerei zu denken. Dieses Gewand ist in der Hälfte
zusammengefaltet, nicht aber, wie die griechische x^°^va omAr)
(öiTrXaS, burXoig), mit dem Bug, sondern mit den ihm gegenüber-
liegenden beiden parallelen Säumen um die Schultern gelegt, zu-
nächst wohl nur auf die rechte. Sehe ich recht, so ist von da aus
die eine Doppelecke über den Rücken und unter der 1. Achsel nach
vorn geführt, von hier erst über die 1. Schulter zurückgeworfen,
während von den beiden anderen, vor die Brust gezogenen Zipfeln
nur der innere auf die 1. Schulter, der äussere auf den Unterarm
gelegt wird. Demnach käme von den parallel herabhangenden
Säumen der rechts vom Beschauer von der 1. Schulter, der andere,
über ihn vorgeschobene vom 1. Unterarm herab. Der Halsschmuck
besteht aus einer Schnur länglicher Perlen und etwa halb soviel
Ringen. Der kleine Finger der 1. Hand trägt einen Siegelring. Die
Füsse stecken in feinen strumpfartigen Schuhen mit dünnen Sohlen,
welche die Hauptformen der Zehen durchscheinen lassen.

Auf den ersten Blick wäre man versucht, in der reichge-
schmückten Person die Kaiserin zu dem gepanzerten Kaiser zu
erkennen, als dessen Gegenstück sie gelten muss, in dem wohlbe-
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