Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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kannten Typus der ein Kind wartenden Mutter oder Amme22).
Aber bei genauerer Betrachtung ergab sich ganz unzweifelhaft,
dass hier trotz der Tracht ein Mann vor uns steht. Das Fehlen
auch der geringsten Andeutung weiblicher Brust kann nicht dem
Ungeschick des Bildhauers zur Last fallen und andererseits sind
die breiten Schultern, die schmalen Hüften, die Haltung der ziem-
lich breit auseinander tretenden Beine entschieden männlich, fast
.möchte man glauben, im Gegensatz zu dem Costum absichtlich
betont.

Die Erklärung dieser, in der römischen Ikonographie wohl
einzig dastehenden Erscheinung werden wir folgerichtig in derselben
Sphäre suchen, in der wir mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Deu-
tung der Panzerstatue zu finden glaubten.

In allen Schilderungen von dem Treiben Elagabals wird be-
sonders ausführlich von der weibischen luxuriösen Priestertracht
berichtet, in der er einherzugehen liebte. Herodian beschreibt sie
(5, 5, 3) wie folgt: t^v xe iepuuo"ijvr)V toö emxwpiou öeoö, fj eveTe-
öpctiTTo, rrepiepYÖTepov eSujpxeixo, o"xiiuao"i Te effönrog TroXuTeXeffT&Toig
Xpü)|uevo? biet Te Tropcpfjpag XPU0~°Ö ürpdcruaö'i, Treptbepaioig Te Kai
ipeXioit; Kocruouuevo?, eg eibog be Tidpag cXTecpdvnv erriKeiuevog xpuotu
Kai XiOoig TroiKiXnv tiuioig- fjv Te aÜTtli tö o"xnua ueTaüu cpoivicföTig
iepäg o"ToXn.g Kai x^iöfj? MnbiKfjg. Pwua'tKr|v be f\ 'EXXnviKrvv Tcäcrav
eo"9f)Ta euucfarreTO, epiou cpacfKiuv eiprdo"6ai, TrpdfuaTog eÜTeXoüg.
Toig be Znpwv uqpdcruacnv uövoig r)peo"KeTO. Vergl. noch 5, 3, 6 und
5, 5, 9, von den hohen römischen Würdenträgern, denen die Ehre
ward, als Priester des Gottes im Festzug einherzugehen: dve^ujffue'voi
uev xiTwvag rtobripeig Kai xeipi&wToug vöuui Ooivikujv, ev uecrai qpepov-
Teg uiav rropcpupav wrobrijuacn be Xivou Trerroinuevoig expwvTO, uJCttrep
oi küt eKeiva Ta xwpia rrpocpnTeuovTee23). Aehnliches bei Cassius
Dio 79, 9, 2 und 11, 1, bei Lampridius c. 23 und 26. In diesem
seinen Lieblingsaufzug liess sich der Kaiser auch bildlich darstellen.
Als ihn Julia Maesa in Nikomedien beschwor, römische Tracht an-
zulegen, um nicht gleich durch seine Erscheinung den Römern ver-

") Vergl. z. B. die Messalina bei Visconti Iconogr. Rom. pl. 28, 1, ferner
die Pietaa Augnsta auf Münzen Antonins, der jüngeren Faustina, der Frau Con-
stautins Fausta, Cohen II5 p. 331, III2 p. 143, Frühner p. 67, p. 292, die Liberias
restitula neben Hadrian Cohen II '. p. 184 und (nach Brizio Annali 1872, p. 323 ff.)
Monum, dell' Inst. Villi, 47, ferner die Amme auf dem Hippolytossarkophag Monum.
VIII, 38, 1.

s3) Ueber weibliche Kleidung der Priester in semitischen Culten vergl. z. B.
Movers, Phönizier, I S. 451 ff., bes. 453.
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