Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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ächtlich zu werden, da verstand er sich nur dazu, ein Kolossal-
gemälde nach Rom vorauszusenden, das ihn im Priesternornat seinem
Götzen opfernd darstellte, mit dem Auftrag, es in der Curie zu
allgemeiner Betrachtung und Anbetung aufzuhängen, damit man
sich bei Zeiten an den Anblick gewöhne (Herodian 5, 5, 6). Auch
goldene Standbilder in reichem Schmuck werden erwähnt (Cassius
Dio 79, 12, 2). Erhalten sind uns nur die bereits erwähnten Münz-
bilder, welche den Kaiser über den Altar die Trankspende aus-
giessend zeigen24). Ueber der Tunica, an der wenigstens ein Mal
lange Aermel deutlich sind — wohl die Dalmatica, von der Lam-
pridius c. 26 spricht —, trägt er ein Obergewand, das aber nicht
nach römischer Opfersitte das Haupt bedeckt. Dieses ziert viel-
mehr ein Schmuck, in dem ohne Zweifel die von Herodian erwähnte
atecpctvr] zu erkennen ist25).

Auf das Costum unserer Statue, das mit den Hauptzügen der
Münzbilder übereinstimmt, lassen sich die erwähnten Beschreibungen
fast Wort für Wort anwenden. Die brüchigen Fältchen der Tunica
können sehr wohl Seidenstoff andeuten; jene fremdartige breite
Borte entspricht der reichen orientalischen Purpur- und Gold-
stickerei, die Trepiöe'pcua fehlen nicht und vielleicht sind mit den
schmiegsamen Schuhen die UTrobrnuaxa Xivä gemeint. Aber für den
sonderbarsten Zug ergibt sich aus dem Beigebrachten keine Er-
klärung. Was bedeutet das nackte Knäblein, welches der lang-
bekleidete Priester hier in der Hand trägt statt des Palmen- oder
Cypressenzweigs, den ihm die meisten Münzen in die Linke geben ?

Zwei Möglichkeiten einer Lösung dieses Räthsels scheinen sich
aus der Ueberlieferung zu ergeben, die jedoch beide gewichtigen
Bedenken unterworfen bleiben.

Kinderopfer gehörten von Alters her zu dem Cultus des Baal-
Moloch und verwandter Gottheiten2"). Für den des Elagabal be-

*fi Cohen III' p. 514 ff. pl. XV, 200, 201, 36. VII p. 232 f. n. 2, 8, 12.

2S) Cohen identifiziert diesen Stirnschmuek mit dem merkwürdigen Hörnchen,
welches der Porträtkopf Elagabals auf zahlreichen Münzen (z. B. auch pl. XV. 200
Av.) aus dem Kranze hervorwachsend zeigt. Aber er unterscheidet sich, so weit
die Abbildungen ein Urtbeil gestatten, in nichts von dem Kopfschmuck weiblicber
Gestalten auf den Münzen des gleichen Kaisers. Dieser trägt ihn auch auf den
Hochzeitsmünzen pl. XVI. 8, XVIII. 3.

v]) Movers, Phönizier I S. 452 citiert Jeremias 32, 35, wo die Höhen des Thaies
Hinnon geschildert werden, die vom Blute der geschlachteten Kinder rauchen; Münter,
Kelig. der Babylonier 8. 72, führt aus dem 2. Buch der Könige 17, 30, gleiche Opfer
an, die zu Öepharvaim dem Adrammelech und Annaimnelech dargebracht werden.
Darauf bezügliche Opferregelu in Keilschrift hat Öayce veröffentlicht in den Transact.
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