Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

Seite: 72
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zeugt sie ausdrücklich Lampridius c. 8: cecidit et humanus hostias
lectis ad hoc pueris- nobilibus per omnem ItaMam patrimis et matrimis,
credo ut maior esset utrique, pareuti dolor, omne denique magorum
genus aderat Uli operabaturqiie cotlidie hortante Mo et gratias ugente,
quod amicos eoruiti invenisset, cum inspiceret exta puerilia et excru-
ciaret hostias ad ritum gentilem suum. Ebenso Cassius Dio 79, 11, 3.
Aber ist es wahrscheinlich, dass man in einer Ehrenstatue diesen
bestialischen Brauch des neuen Cultus zum Ausdruck gebracht
hätte, welchen der Kaiser selbst auf seinen Münzbildern bei Seite
zu lassen für gut befand? Freilich, wenn man sich einmal dazu
entschlossen hatte, dann ist es denkbar, dass in euphemistischer
Weise gerade dieser Typus gewählt wurde, der nach dem alther-
gebrachten Sprachgebrauch der Kunst ein ganz anderes Verhältniss
bezeichnete. Ein gewisser Anhalt dafür mochte in der Opfervor-
schrift liegen, die Furcht und das Weinen der Kinder zu beschwich-
tigen, damit das Opfer der Gottheit wohlgefällig sei.

Die zweite, vielleicht minder bedenkliche Möglichkeit wäre
folgende. Wie in seinen Ausschweifungen, so liebte es Elagabal
auch in seinem Auftreten geradezu die Rolle der Frau zu spielen27).
Nach Lampridius trieb er es sogar so weit, im Parisurtheil als
Venus aufzutreten (c. 5) und mit einem Löwengespann als Götter-
mutter einherzufahren (c. 28). Es wäre nicht undenkbar, dass er
auch diesen Wahnsinn irgendwie in die bildliche Darstellung seiner
Person hineintrug. Die Fax Augusti auf Münzen sieht dem Bilde
des opfernden Kaisers in selbst bei dieser Kleinheit der Bildung
auffallendem Maasse gleich (Cohen, III pl. XV, 182). Sollte hier Ela-
gabal sich selbst als Pietas Augusti haben darstellen lassen?

Der Kopf der Statue war aufgesetzt. Wohl möglich, dass
man nach dem Tode und der Verfluchung des Kaisers den Porträt-
kopf entfernte und durch einen idealen ersetzte28). Vielleicht dürfen

of tlie soc. of hibl. archeol. IV p. 25 ff. Munter, Uelig. der Karthager p. 21 f.
spricht von der bekannten Cultsitte, die Kinder dem glühenden Erzgötzen in die
Arme zu legen, welche Photios im Lex. s. v. Zapbuüvioi; y&Xujc, von den Sardern
berichtet. Lukian de Syv. dea 58 erzählt von einer eigenthümlichen Art des Kinder-
opfers zu llierapoliä. Vergl. Baudissin, Jahve et Moloch p. 51 ff.

2?) Cass. Dio 79, 5: Kai fäp rivbpiZero Kai £6r|XV)veTO "ai üirpaTTe Kai
trracxe eKcrrepa iaeXfiaTara; 14, 3 ff. prostituiert er sich als Dirne, lässt sich
dann heirathen und spielt Ehebruch. Valerianus Partus Hess Standbilder von ihm
nach Art von Dirnen machen. Vergl. Lampridius c. 26.

") Dass der Cultus des Elagabal auch später nicht ganz aus Paunonien
verschwand, beweist jene dem Jahre 24!l angehörende Inschrift von lirigetio, oben
S. 65, für Carmmtum vielleicht die unten Ö. 82 n. 5 neu veröffentlichte.
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