Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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Hüfte, Ein Rest der Schwanzquaste ist neben dem 1. Fusse an
der Plinthenecke kenntlich. Die kurze knorrige Keule umfassen
oben zwei aus Metall gedachte Ringe. Genau so wie hier ruht sie
zwischen den Hörnern eines liegenden Stiorkopfs bei der Vatica-
nischen Statue Clarac V, 792, 1994, ähnlich III, 302, 1979, V, 786,
1965 und auf der Münze des Gordiänus Pius Cohen IV pl. VI
n. 169 mit der Umschrift: virtvtiavgvsti. Die schlanken Formen
scheinen auf einen jugendlichen Hercules hinzudeuten. Prof. Hirsch-
feld vermuthet in der Statuette ein Bild des Commodus, der
nach Lampridius c. 8 appellatus est etiam Romanus Hercules und
nach c. 9 accepit statuas Herculis hdbitu, wie ihn so oft die Münz-"
bilder zeigen (Cohen III2 p. 252 ff. Fröhner p. 143 f.).

IV. Wandmalereien schmückten den Raum C unseres Plans (oben
S. 58). Halbwegs kenntlich ist nur noch auf einem der westlichen
Fensterpfeiler in roth und g.lb umzogenem Feld ein 049 h. Speisen-
träger, der, eine hellblaue Schüssel mit hellroth gemalter Speise in
beiden Händen, rechtshin eilt, bekleidet mit langärmliger weisser
Tunica, die ein vom Hals bis zum Saum herablaufender breiter
rothbrauner Streif ziert. Dieselbe dunkle Farbe haben Beine Hände
und Gesicht. Das Haar ist braun.

Wien FRANZ STUDNICZKA

HI

Inscliriftliche Funde in Carnuntum

An die vorstehend gegebenen Berichte über die Ausgrabungen
in Carnuntum im vergangenen Jahre reihe ich die Publication der
bei denselben zu Tage getretenen Inschriften, bei deren zum Theil
recht schwierigen Entzifferung ich mich der sachkundigen Unter-
stützung des Hrn. Dr. v. Domaszewski zu erfreuen gehabt habe.
Die beweglichen Fundstücke befinden sich sämmtlich in dem bereits
recht stattlichen Museum des Freiherrn von Ludwigstorff, der wie-
derum mit grosser Liberalität und regem Eifer die von der k. k.
Regierung auf seinem Grund und Boden ausgeführten Grabungen
gefördert hat.

1. Ära aus Sandstein, h. 1*10, br. 0*51, d. 0'16. Schlechte
und schwer zu entziffernde Schrift des dritten Jahrhunderts. Die
Zeilen sind vorgerissen; in den Buchstaben sind rothe Farben-
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