Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

Seite: 91
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Ob nach f ein Punkt steht und ob der Stein rechts gebrochen
ist, lässt sich aus der Durchreibung nicht erkennen.

VII. Römische Grabstätte in Steiermark

(„Neue Freie Presse" vom 1. Mai 1884)
'In der Nälie des Dorfes Gomilsko im Sanntliale bat seinerzeit der Bau der
von Franz Uber Saehseufeld nach Ol Iii führenden Strasse den südlichen Theil eines
isolirt in der Ebene des Sannthaies gelegenen Hügels abgeschnitten; auch an der
Westseite wurde im Verlaufe der Zeit von den Grundbesitzern das aus golbgrauer
Thonerdc bestehende Material des Hügels abgegraben und für ihre Aecker ver-
wendet. So weit sich heute urtheilen lässt, war dieser Hügel ursprünglich kreis-
rund und hatte am Fusse circa 24 Meter im Durchmesser; seine Höhe ist heute
noch 3 5 Meter. Im Munde des Volkes heisst derselbe „Galgeiihügel", „Franzosen-
hügel", „Türkenhiigel", und im vorigen Jahrhundert standen noch Galgengeriiste
auf der Höhe des Hügels, auch finden sich unmittelbar unter der Grasdecke Koste
von menschlichen Skeletten. Beim Abgraben des Thonerdematerials von Westen
aus stiess man im vergangenen Monate auf eine Grabstätte, welche nunmehr weiter
untersucht wurde. Der südliche Theil des Hügels birgt den eigentlichen Grab-
raum, der 148 Centimeter hoch, 152 Centimeter breit und 1G8 Centimoter lang und
ganz aus massiven, grossen Platten von weissem, krystallinischem Kalk (Marmor
vom Bachergebirge, aus dem die meisten unserer hiesigen Rümersteine bestehen)
hergestellt ist. Die Verbindung bewerkstelligen eiserne Mitnehmer, die zur Hälfte
in diese, zur Hälfto in jene Platte hineinreichen und mittelst Bleivergusses gehalten
werden. Die Platten tragen keinerlei Inschrift, keinerlei Ornamente. Auf den
Bodenplatten stehen in den vier Ecken des Grabraumes vier massive Tragsäulen
(gleichfalls aus Marmor), auf denen zwei Firstplatten ruhen- Dieser Kaum war
nur von Norden aus zugänglich und der Zugang durch eine genau zwischen die
Tragsäulen passende Marmorplatte verschliessbar. An diesen Raum schliesst ein
tonnenartig gewölbter Zugang, dessen beide Seitenwände aus mit Mörtel verbun-
denen Steinen hergestellt und noch erhalten sind. Die Gewölbemauerung selbst,
deren Spannweite 1*25 Meter beträgt, besteht aus Flachziegeln. Behufs Verschlusses
finden sich namentlich im Scheitel Trümmer von römischen Dachziegeln (in Form
und Qualität ähnlich den im Sanntliale häutig vorkommenden) eingekeilt vor. Diese
Trümmer tragen durchwegs nur ein und dieselbe Marke, d. i. regano (ob viel-
leicht regino ? vgl. C. I. L. HI n. 6010, 177—179), mehr oder minder correct
geschrieben. Die Seitenwände des Gewölberaumes zeigen an ihrem nördlichen
Endpunkte beiderseits Säulen von 1-33 Metern nöhe und 40 Centimetern Breite
aus Leithasaudstein, wie solcher in der dortigen Gegend bei Heilenstein gebrochen
wird. Der Umstand, dass sich dieser Gewölberaum mit Geröllen und Zicgel-
trümmern gefüllt vorfand, legt die Vermuthung nahe, dass die Grabstätte schon
einmal geöffnet und bei dieser Gelegenheit verstürzt worden ist. Damit würde
auch der Umstand stimmen, dass sich im eigentlichen Orabraume nebst spärlichen
Brandtrümmerresten lediglich nur einige Scherben vorfanden, und zwar solche eines
Gefässes, das mit besonderer Kunstfertigkeit aus äusserst reinem, durchscheinendem,
weissem Marmor (wie er hier nicht vorkommt) hergestellt und bei kaum 1 Milli-
meter Wandstärke sehr sorgfältig caunelirt war, ferner Scherben eines gleichfalls
»us weissem, gröberen Marmor hergestellten Gefässes und endlich Trümmer einer
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