Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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IX. Inschrift aus Mödling

(Mittheilung des Hrn. Stadtarchivars Dr. Hermann Rollett in Baden in der „Neuen
Freien Presse" vom 12. Mai 1884; vgl. jetzt auch Hauser-Kenner in Mittheilungen
der Central-Commission 1884 p. CVI)

'Am 8. Mai 1884 wurden bei dem Mödlinger Bahnhof, an der
Seite gegen Wien zu, dicht unter der Humusdecke nebst mehreren
theilweise gekehlten Sandsteinwerkstücken und Resten eines Mcn-
schenskelets, zwei grosse Grabsteinplatten aus Sandstein gefunden,
die römischen Gräbern angehörton, jedoch augenscheinlich nicht
mehr in der ursprünglichen Lage waren. Die oben abgerundeten
Steinplatten sind 2-08 M. lang, br. 0-72, d. 0"22. Die eine der-
selben, die ohne Tnschrift ist, zeigt in einer beinahe in der Mitte
angebrachten nischenartigen Vertiefung ein verstümmeltes weib-
liches Brustbild in Basrelief; die andere weist im oberen Theile in
einer von einem Bogen überspannten Vertiefung ein gleichfalls sehr
verstümmeltes männliches Halbbrustbild in Basrelief; darunter in
einer länglichen Quadrateinfassung folgende sehr gut erhaltene
Inschrift' (in schöner Schrift; Buchstabenhöhe Z. 1. 2. 6. 7. 8: 7 Cent.,
Z. 3 — 5 etwas kleiner. Nach Copie und Abklatsch des Hrn. Dr.
Frankfurter):

REVSO
DRVTI ■ F
ANN - L
STRVCTOR
5 F VIT

H • S- E-
VTTO • FIIlVS

posvrr

Die Steine befinden sich jetzt in dem der Mödlinger Gemeinde
gehörigen Hause Bühler-Strasse n. 1.

X. Grabfund in Wien

(Mittheilung des Herrn Professor Dr. Friedrich V. Kenner, Director des k. k. Miinz-

und Antikencahinets)

Das am 18. April d. J. in der Postgasse (Wien, I. Bezirk)
biosgelegte römische Grab enthielt einen aus 27 grossen Leisten-
ziegeln zusammengestellten Sarg, der das Aussehen eines niedrigen
langgestreckten Hauses mit hohem Dache hatte; er mass 12ö M.
in der Länge, 1'08 M. in der Höhe und 05 M. in der Breite. Die
Beigaben des stark vermorschten Skeletes waren ein einhenkliger
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